4.Kapitel: Der Weltraum

Gefahren der Wüste

Nachdem die Ärzte ihnen in ihren bedrohlich aussehenden Vollschutzanzügen bescheinigt hatten, dass sie frei von gefährlichen Krankheiten waren, durften Sie mit dem nächsten Passagierjet zur Oberfläche hinab.

Die Luft war trocken, und der von ihr mitgeschleppte Sand knirschte zwischen den Zähnen. Melissa zog ihr Seidentuch über Mund und Nase und bot das zweite Daphne an.

"Danke, ich hoffe es kommt nicht noch ein Sturm auf, dann müssten wir die Nacht hier verbringen." Geschickt schlang sie sich das Tuch um den Kopf, während sich die Gruppe auf das Hafengebäude zubewegte. Der Wind trieb Sandverwehungen über das weite asphaltierte Landefeld und sammelte den feinen Staub in jeder Ritze, die er finden konnte.

Im Eingangsbereich der Halle hatte man einen Druckluftvorhang geschaffen, der den Sand aus dem, mit glänzenden Fliesen ausgelegten, Saal heraushielt und auch, die Kleidung der Neuankömmlinge von so manchem Sandkorn befreite.

Daphne und Melissa ließen ihre Schleier fallen, und Hans knirschte mit den Zähnen: "Linienbus nach Jaraya?" Er wollte damit wohl fragen, ob sie den Bus nehmen sollten.

Aber als sie sich am Schalter erkundigten, mussten sie feststellen, dass dieser gerade abgeflogen war.

"Wie wär's, wenn wir einen Airhopper mieten?" Schlug Daphne vor und wies nebenbei darauf hin, dass sie im Besitz einer Fahrerlizenz war. "So was braucht man einfach, wenn man nicht so gut zu Fuß ist."

Und so beschlossen sie eines der urigen Gefährte auszuprobieren, die waren nicht länger als fünf Meter und boten fünf Personen ausreichend Platz. Vorne saß ein nach unten gerichteter Propeller und hinten hatte das Vehikel vier Turbinen, zwei längs schwenkbare zur Stabilisierung und Steiglagenkontrolle und zwei horizontal schwenkbare, für die Lenkung.

Der Kofferraum war nicht gerade üppig bemessen, und es kostete viel Mühe, neben dem Rollstuhl, noch das ganze Gepäck unterzubringen.

Die stummeligen Tragflächen waren nicht viel mehr als Trittbretter und hinterließen bei den unerfahrenen Urwaldbewohnern ein mulmiges Gefühl zurück, das sich aber bald legte, als Daphne den Hopper sanft emporsteigen ließ.

"Die Dinger sind auf allen Planeten genormt, wenn man einen fliegen kann, kennt man alle. Und, was für mich von großem Vorteil ist, sie haben keine Pedale." Sie lachte und flog eine Schleife über das Hafengebäude.

Während des Fluges in sicherem Abstand über dem Sand las Melissa die Informationsbroschüre, die ihnen der Vermieter in die Hand gedrückt hatte. In ihr stand nicht nur, dass man das Fahrzeug so zurückgeben sollte, wie man es vorgefunden hatte, sondern auch, wie man bei einer Fehlfunktion in der Wüste überlebte, bis Rettung eintraf, angeblich war alles an Bord, was man dazu brauchte. Trotzdem ließ dieses Kapitel Melissa mit einem flauen Gefühl im Magen zurück, als sie das Heftchen ins Handschuhfach schob. Sie schaute runter in den Sand, wohl 150 Meter unter ihren Füßen, und ihr wurde bewusst, dass sie eigentlich gar nicht so gerne flog.

Auch Hans, der mit Michael auf der Rückbank saß hatte sich von einem Fremdenführer ein Informationsblatt in die Hand drücken lassen und stellte fest, dass die Wüste gar nicht so tot war, wie sie von hier oben aussah.

Daphne parkte den Hopper präzise in einer der Parkbuchten auf dem Dach des Desert Inn, einer Hotelkette, die auf dem ganzen Planeten günstige Unterkünfte anbot.

Sie mieteten sich ihre Zimmer, von denen jeweils zwei über eine Verbindungstür verfügten. Die Klimaanlage grummelte mehr schlecht als recht vor sich hin, sie hatte wohl auch, schon zu viel Sand schlucken müssen. Die Fenster waren mit feiner Gaze verhangen und der Kühlschrank voller verlockender aber stark überteuerter Getränke. Man richtete sich schnell ein und traf sich im Anschluss am "Wadi" der Hausbar des Desert Inn. Das "Wadi" befand sich gleich unter den Parkplätzen und bot aus ihren Panoramafenstern einen wunderbaren Ausblick auf die Wüste, die hier von großen Felsen immer wieder unterbrachen und aufgelockert wurde.

Nach der sterilen Kost in der Quarantänestation war es Zeit für eine ordentliche Mahlzeit und etwas gegen die trockenen Kehlen der vier Abenteurer.

Ein Tisch vor dem Fenster war noch frei, und die Vier schoben sich die Stühle zurecht. Es war jetzt kurz nach Mittag und die Sonne prallte unerbittlich auf den hellen Sand, aber in der Bar war es angenehm kühl, die Klimaanlage lief, war aber nicht so hoch eingestellt, dass man frieren musste.

"Wie geht's jetzt weiter?" Erkundigte sich Michael nach einigen durstigen Schlucken.

"Du und Daphne, ihr nehmt den Airhopper, um euch die Fabrik mal aus der Luft anzusehen. Habt ihr euch wieder einigermaßen vertragen?"

"Es wird schon gehen. Wenn's sein muss", murmelte Daphne mit wenig Begeisterung.

"Das hört sich nicht sehr begeistert an." Lächelte Melissa, die würden sich schon wieder vertragen.

"Melissa und ich werden uns einer Touristengruppe anschließen und lassen uns dieses ‘Wunder der modernen Industrietechnik ' vorführen." Zitierte Hans, wobei er auf das Display im Tisch zeigte, auf welchem er gerade Informationen über Jaraya abrief, ohne auf Melissa und Daphne zu achten. Er würde seinen Plan mit Sicherheit nicht umschmeißen.

"Wir werden sehen, ob da nicht irgendetwas zu sehen ist und wenn nicht, dann muss unser Computergenie hier ‘ran an die Sache. Wäre doch gelacht, wenn wir nicht rauskriegen, was los ist."

"Wieso soll ich mich nicht gleich an den Computer setzen? Das würde doch viel schneller gehen."

"Weißt du denn, wonach du suchen willst?"

"Nein, aber ..." Hans ließ sie nicht zu Wort kommen. "Ich weiß, dass du gut bist, keine Sorge, aber ohne einen Anhaltspunkt wirst du kaum Erfolg haben." Er wusste auch, dass das junge Mädchen überall lieber sein würde als mit Michael zusammen, er blieb hart. Wenn sie diese Sache miteinander durchziehen wollten, dann würden sie sich aneinander gewöhnen müssen.

"Schon gut, du hast ja recht."

Am nächsten Morgen trennten sich die Vier, wie geplant.

Melissa und Hans gesellten sich zu einer Reisegruppe, von 35 meist Humanoiden, die sich für die Besichtigungstour eingetragen hatten und bestiegen den Bus, in der Stadt waren die Straßen sauber und geteert, sodass sie auf Rädern gut voran kamen.

"Hast du gesehen, wie Michael Daphne ansieht?"

"Nein, Mel. Sieh mich an, ich bin ein Mann. Ich achte nicht auf so was."

"Ich glaube, er mag das Mädchen."

"Das kann sein und?"

"Ich weiß nicht, ich wollte nur darüber reden."

"Daphne ist vielleicht etwas empfindlich in gewissen Punkten. Aber ich denke, die beiden passen zusammen."

"Was ist mit deiner Frau?"

"Was hat das jetzt damit zu tun?"

"Ich mache nur Konversation, Hans!"

"Oh! Entschuldige, ich glaube an solchen Sachen ist unsere Ehe gescheitert. Man kann keine Beziehung aufbauen, wenn man wochenlang nicht zu Hause ist." Melissa empfand es als sehr angenehm, wenn Hans mit seiner sonoren Stimme ganze Sätze sprach.

"Aber ihr habt Kinder."

"Einen verheirateten Sohn, ja. Eine kaputte Ehe muss einem ja nicht gleich den Spaß am Sex verderben. Ich glaube er hatte kein besonders gutes Elternhaus."

"Es ist gut seine Fehler einzusehen."

"Ich hab' nicht von mir geredet, ich meine Michael. Denkst du, Transporterpilot ist der richtige Job für ihn?"

"Ich glaub, manchmal kann ich deinen Gedankensprüngen nicht folgen."

Man begrüßte sie freundlich und nach einer Fahrt quer durch die Stadt, in welcher hin und wieder sogar ein gepflegter Rasen oder ein Baum zu sehen war, erreichten sie die Tore der Potea Bergwerksbedarf GmbH. Schon hier konnte man erkennen, dass es sich um keinen kleinen Laden handelte, und der Tourguide sprach dann auch, von einem der größten Unternehmen auf diesem Planeten und wie günstig es doch wäre da zu produzieren, wo die Rohstoffe seien. Er schmiss mit ein paar Zahlen zu Gewinn und Beschäftigung um sich und zeigte den neugierigen Besuchern zunächst einmal das Verwaltungsgebäude. Das war wenigstens genau so groß wie das Hotel, aus dem Sie abgeholt worden waren, aber ganz erheblich protziger. Mit Werkzeugen musste sich wirklich gutes Geld verdienen lassen. Einige Büros blieben der Touristenmeute verschlossen, was, wie Hans bei sich dachte, wirklich nichts zu bedeuten brauchte.

"Ich habe hier noch nichts entdeckt", flüsterte Melissa mit ihren wachen Augen jedes Detail aufsaugend. Auch in den verschiedenen Fabrikhallen ob dort nun Schraubenzieher gegossen, oder Stahlwerke vorgefertigt wurden, es war nichts Ungewöhnliches zu entdecken. Der Guide rühmte die Effizienz und Produktivität und wie viel Arbeit heutzutage doch schon von Industrierobotern übernommen werden könne. Tatsächlich war in manchen Teilen der weitläufigen Hallen kaum ein Lebewesen zu erblicken.

Es dauerte drei Stunden, bis sie zur Montage der Plasmabohrer kamen, für die, im allgemeinen nicht sonderlich an Wirtschaft und Industrie interessierten, Carrierpiloten eine lange Zeit. Auch in dieser Halle lief die Produktion weitgehend automatisch und an den Fließbändern entlangschlendernd beobachteten sie die Komplettierung der 125 Tonnen schweren Maschinen.

Vor der Halle wurden gerade zwei Atmosphärengleiter beladen.

"Was sollen die transportieren?" Wandte sich Hans an den Guide, der auffällig erfreut über die Neugier seiner Truppe einen Handcomputer konsultierte. "Beide werden mit Plasmavortriebs-Maschinen für den Bergbau beladen, die Geräte, die sie gerade in der Produktion gesehen haben. Diese Bohrmaschinen sind der ganze Stolz unseres Unternehmens und werden in der ganzen Milchstraße immer wieder mit Auszeichnungen bedacht", erklärte er, der sich um ihn scharenden Menge.

Jetzt beobachtete Melissa etwas Merkwürdiges, worauf sie doch schon so lange gewartet hatte. Der erste Scramjet wurde mit Containern beladen, die aus der Fabrik hinter ihnen kamen, der zweite aber erhielt seine Ladung aus der gegenüberliegenden Halle, welche sie noch nicht besichtigt hatten. So wie es aussah, hatte der Tourguide das auch, nicht vor, denn er kündigte jetzt den Rückweg an. Melissa nahm Hans beiseite und raunte ihm ins Ohr:

"Das da ist die Halle, die wir uns näher ansehen sollten." Hans nickte nur, auch, er hatte etwas bemerkt. Die anderen Touristen dachten nicht weiter darüber nach und  es war ihnen wohl auch, egal, wie die Leute hier ihre Waren auf dem Gelände verteilten.

"Wir sollten uns absetzen und einen Blick in die Halle werfen", schlug Melissa vor, nachdem sie sich schon etwas hatten zurückfallen lassen. "Oder heut Nacht wiederkommen", murmelte Hans. "Andererseits, jetzt sind wir schon mal drin", entschied er sich aber schnell anders und drückte sich rasch mit Melissa hinter eine Ecke, während die Touristengruppe weiterzog. Es hatte sie niemand gesehen.

"Glaubst du, die werden nachzählen, wenn es zurück geht?"

"Weiß nicht, ich hoffte eigentlich bis dahin wieder am Bus zu sein", flüsterte Hans.

Bevor sie ihre Deckung verließen, schauten sich die beiden genau um, aber es war niemand zu sehen und von der Reisegruppe kehrte niemand zurück. So unauffällig wie möglich wanderten sie zur Halle mit den Plasmabohrern, die Scramjets waren inzwischen abgehoben. Sie überquerten die Lichtung zwischen den beiden Produktionshallen und gingen neben der verdächtigen erst einmal wieder in Deckung. Aber noch immer war nichts zu sehen, sie waren nicht bemerkt worden. Vorsichtig steckte Hans den Kopf in die Halle, nur ein Lager, in dem noch das Kranfahrzeug stand, aber kein Personal, es war wohl so etwas wie Mittagspause.

Dreizehn Container standen in dieser Halle, teilweise zu zweit übereinander, Melissa und Hans versteckten sich hinter dem letzten in der Halle und lauschten, noch immer nichts. "Wie machen wir das Ding auf?" Hauchte Melissa leise. "Lass mich nur machen!" Selbstbewusst machte Hans sich am Schloss zu schaffen, während Melissa sich immer wieder umschaute, ob auch, niemand kam.

Eine Person betrat das Lager, Melissa bedeutete Hans ruhig zu sein, dieser verstand und ließ rasch die groben aber geschickten Finger vom Schließmechanismus. Aber der Mann, wollte nur das Fahrzeug holen, das im Eingang stand, und war mit diesem schon bald wieder verschwunden.

"Weiter!" flüsterte Melissa, das war richtig spannend.

"Bin schon fertig", verkündete Hans, ebenso leise, und sie traten zurück, als die Tore des Containers aufschwangen. Ein sich wiederholender Piepton, war dazu gedacht, Unvorsichtige zu warnen von der Tür wegzubleiben.

"Kann man das nicht ausschalten."

"Ich wüsste nicht wie, aber es ist gleich vorbei." Und tatsächlich schien es niemand bemerkt zu haben, oder man reagierte einfach noch nicht.

Das Licht war schlecht in der Lagerhalle, die wenigen Dachfenster schafften es kaum, die ganze Halle mit ausreichend Licht zu versorgen. Aber es reichte vollkommen, um zu erkennen, was hier auf seinen Abtransport wartete.

"Das ist ein Kampfflugzeug." Hauchte Melissa und strich über die mattschwarze Keramikhaut der Frontpartie, aus der ein silberner Zylinder herausragte.

"Wow!" Sagte Hans nur, so leise er konnte. Beeindruckt und vor Aufregung beinahe zu Atmen vergessend.

Sie duckten sich unter den Halteleinen hindurch und Inspizierten das kleine Raumschiff, das sich hier verbarg. Es war dreißig Meter lang, von schlanker pfeilspitzenartiger Bauweise und besaß eine Spannweite von neun Metern, sodass es wahrscheinlich Präzisionsarbeit gewesen war, den Flieger im engen Container unterzubringen. Unter den stummeligen Tragflächen waren die Halterungen für Raketen zu erkennen. Hans half Melissa auf eine der Tragflächen.

"Hier kann man noch mehr Raketen unterbringen", flüsterte sie so leise, dass Hans es beinahe nicht mehr verstand. "Schau dir das Cockpit an." Raunte er zurück.

"Zwei Mann, nach der Beschriftung, einer für die Waffen und einer fürs Fliegen." Sie beugte sich über die Kuppel und spähte auf die Instrumente, hatte Jason so ein Ding gestohlen? Und wenn? Wie konnte er sich mit diesen Geräten auskennen?"

"Ich denke, Sie kommen da jetzt langsam mit erhobenen Händen raus!" brüllte eine Stimme vor dem Tor, sie schien sehr wütend zu sein.

"Oh wir haben uns verlaufen, könnten Sie uns vielleicht zu unserer Reisegruppe bringen?" Fragte Hans so unschuldig, wie ein Lamm und lächelte, als könne er kein Wässerchen trüben.

"Ruhe!" brüllte der Uniformierte, er und seine Truppe versperrten mit ihren Strahlengewehren jede Fluchtmöglichkeit.

Melissa kletterte von dem Kampfflugzeug herunter, versuchte jede verdächtige Bewegung zu vermeiden.

"Sie gehen voran", schrie der Mann, er hatte die meisten Streifen auf der Schulter und war demnach wohl der Vorgesetzte dieser Bande.

Die Gewehre folgten unbeirrbar jeder Bewegung der beiden Gefangenen, die jetzt aus dem Lager zu einem gepanzerten Geländewagen, getrieben wurden.

"Einsteigen!" Mit unveränderter Lautstärke traktierte der Mann die Trommelfelle seiner Beute.

Der Panzer, was eine zutreffendere Bezeichnung für dieses Fahrzeug war, bot Platz genug für die ganze Truppe. Das Passagierabteil war durch eine Wand von der Fahrerkabine getrennt und besaß zu beiden Seiten Sitzbänke. Vorne in im Passagierraum war nochmals ein kleiner fensterloser Raum abgeteilt, in welchem die beiden Eindringlinge jetzt nacheinander untergebracht wurden. Man kettete ihre Hände an ein Stahlrohr, das sich in Kopfhöhe durch dieses Abteil zog und fixierte die Füße mit Fußfesseln an die Sitzbank, dann schlug jemand die Tür zu und es wurde Dunkel.

"Was werden die mit uns machen?" Melissas Angst schaffte sich durch das Zittern ihrer Stimme Ausdruck.

Hans nahm ihre Hand in die seine und spürte, wie das Mädchen zitterte. "Sie werden uns nicht töten, das hätten sie so schnell machen können, dass wir gar nicht dahinter gekommen wären. Keine Angst, wir kommen hier wieder raus."

Dann unterdrückte der Lärm des startenden Motors jede weitere Unterhaltung, und das Fahrzeug setzte sich in Bewegung.

Michael schaute über den Rand des Daches und beobachtete, wie der Reisebus um eine Kurve verschwand. Er war inzwischen de Meinung, seine Füße müssten in den hohen Stiefeln langsam im Schweiß ertrinken. Er trug eine lange dünne Hose und ein langärmeliges Hemd, so wie es die Einheimischen hier bevorzugten, man wollte nicht auffallen. Er zog seinen Hut tiefer ins Gesicht.

Die Sonne brannte unbarmherzig auf diese Stadt in der Wüste, vom Hotel aus konnte man kaum bis zu ihren Rändern schauen so sehr hatten sich die Menschen hier ausgebreitet. Das lag aber nicht daran, dass der Planet so übervölkert gewesen wäre, im Gegenteil, die eine wenigen zehntausend, die hier lebten, hatten sich in nur in einige wenige Städte zusammengeballt, um den Naturgewalten zu trotzen. Gemeinsam war das leichter, als da draußen in der Wüste, wo nur ein paar Wasserfarmen standen, die auf ihren Feldern das Tauwasser der Nacht sammelten, um die durstige Bevölkerung zu versorgen.

"Kommst du, oder bist du da angewachsen?" Erkundigte sich Daphne voller Tatendrang, sie saß schon im Hopper und ließ die Turbinen anlaufen. Sie hatte sich ebenfalls in die landestypische Tracht gekleidet.

Michael faltete den Rollstuhl zusammen und verstaute ihn im Kofferraum, dann kletterte er auf den Beifahrersitz.

"Es kann losgehen!"

Die ersten beiden Displays erwachten zum Leben und versorgten Daphne mit all den Informationen, die sie schon lange nicht mehr brauchte, sie flog stets nach Gefühl, das dritte LCD zeigte eine Karte der Stadt.

"Also, ich würde vorschlagen, wir machen eine unauffällige Runde über die Stadt und fliegen die Fabrik dann von hinten über die Wüste an."

"Ja, du bist die Pilotin. Ich mach die Fotos." Er zielte mit dem Sucher auf  Daphnes rundes Gesicht. "Hey, ich hab' mich noch gar nicht fein gemacht." Sie schüttelte ihren Kopf und als Michael auf den Auslöser drückte, war da nur noch ein wildes Durcheinander von blonden Haaren, ihre Wut schien langsam nachzulassen.

Sie hoben ab und drehten erst mal eine Ehrenrunde ums Hotel. Sie befanden sich über einer vergleichsweise großen Stadt, und Michael versuchte sich vergeblich vorzustellen, wie viel Wasser und Nahrungsmittel hier jeden Tag gebraucht wurden. Ihm fiel auf, dass er noch keinen Planeten kannte, der sich selbst versorgen konnte. Aber dies war ja auch, erst der zweite, den er kennen lernte.

"Bist du mir eigentlich noch Böse?"

"Ich werd's gleich wieder, wenn du solche Fragen stellst. Lass uns das vergessen."

Sie tauchten durch die Straßenschluchten der Hochhäuser und bewunderten die Solaranlagen, welche die Dächer der Stadt schmückten.

"Bist du auf Situkubwa aufgewachsen?" wollte Daphne schließlich wissen, als sie über eine Reihe von  Gewächshäusern flogen.

"Ja, ich bin da geboren. In der überdachten Hafenstadt Malaikapia ist es gar nicht mal so schlimm, man sieht zwar nie die Sonne, aber unter der Kuppel regnet es dafür auch, nicht."

Daphne senkte kurz die Augenlider, als Zeichen, dass sie verstanden hatte. "Ich bin auf der Erde geboren, aber meine Eltern sind dann erst zum Mars und später nach Neumagdeburg, im Wassermann-Sektor ausgewandert, dort blieben wir bis zur Diagnose der ALS. Wir zogen dann weiter, in den Julia-Sektor, dort auf Gantor gibt es die besten Nervenspezialisten." Fasste die junge Frau ihr Leben äußerst knapp zusammen. Sie überflogen in einer weiten Runde den Hafen und beobachteten, wie eine Frachtmaschine zur Landung ansetzte.

"Als ich 13 war, trennten sich meine Eltern, ich weiß nicht wieso. Ich bekam regelmäßig Post von meinem Vater und wohnte bei meiner Mutter", fuhr sie fort und bewegte die Kontrollen des Hoppers mit bewundernswerter Leichtigkeit.

Michael hing an jedem ihrer Worte und beobachtete, wie sie den Hopper elegant durch die Luft führte.

"Und jetzt passt du am besten auf, was unter uns passiert", wechselte sie das Thema und warf ihm einen schelmischen Blick zu. "Wir kommen jetzt über das Industriegebiet. Ich schätze, die Bergwerksbedarf GmbH müsste in weniger als einer halben Stunde vor uns auftauchen." Michael warf einen Blick nach unten, die Landschaft hatte sich dramatisch verändert, zwischen den Fabriken, die sich hier angesammelt hatten, lagen weite Abschnitte von Wüstensand, aber Rund um die Industrieanlagen waren breite Grünstreifen angelegt worden.

Der Monitor zeigte jetzt das Industriegebiet und an oberen Rand konnte man einige der Tauwasserfarmen erkennen. Michael inspizierte den Grundriss der Potea Bergwerksbedarf GmbH, er wollte die Gebäude erkennen, wenn sie diese erreichten.

Das als Privateigentum der Gesellschaft ausgezeichnete Gelände war mehr als doppelt so groß, wie der eigentliche Industriekomplex, der sich im nördlichen Teil des Areals befand. Daphne verlangsamte den Hopper und schon glitt der rote Punkt auf der Karte über die Grenzen des Unternehmens hinweg. Sie waren sehr hoch, die Pilotin hatte den Hopper bis auf fünf Kilometer steigen lassen, aber mit dem Zoom seiner Kamera der Kamera konnte Michael trotzdem gerade noch einzelne Personen auseinander halten, zwei Atmosphärengleiter erhoben sich gerade zwischen den Gebäuden. "Ich kann nichts Auffälliges entdecken ..."

"Sie befinden sich in privatem Luftraum, kehren Sie sofort um. Es wird scharf geschossen!" Schallte eine metallisch klingende Stimme über den Bordlautsprecher.

"Was ist das?"

"Wir sind entdeckt worden, glaub ich." Daphne blieb ganz ruhig.

"Sie befinden sich in privatem Luftraum, kehren Sie sofort um. Es wird scharf geschossen!"

"Mayday, Mayday. Wir haben einen Ruderschaden." Versuchte Daphne den Typen am anderen Ende der Leitung zu überzeugen.

"Sie befinden sich in privatem Luftraum, kehren Sie sofort um. Es wird scharf geschossen! Dies war die letzte Warnung."

"Ich glaub, das ist eine Aufzeichnung." Sie schob den Geschwindigkeitsregler bis zum Anschlag nach vorne und dann wurden die beiden in ihre Sitze gedrückt, als der Hopper in Richtung Wüste beschleunigte.

"Sie befinden sich in privatem Luftraum. Es wird scharf geschossen! Zwei Raketen haben auf ihr Fahrzeug aufgeschaltet. Setzen Sie sofort zur Landung an und erwarten Sie weitere Anweisungen."

"Bestimmt nicht", murmelte Daphne. "Wir wollen denen doch nicht in die Finger geraten oder?" Sie blickte kurz zu Michael hinüber.

"Nein, wollen wir nicht, aber geht's nicht etwas schneller?" Versicherte dieser unsicher.

"Sie befinden sich in privatem Luftraum. Es wird scharf geschossen! Zwei Raketen sind abgeschossen worden. Setzen Sie sofort zur Landung an und aktivieren Sie ihren Peilsender für die Sicherheitskräfte."

"Irgendwie hatte ich nicht erwartet, dass die ernst machen würden." Sie warf einen Blick aufs Radar, aber da war noch nichts zu sehen.

"Ich auch, nicht", murmelte Michael und rutschte tiefer in seinen Sessel.

"Sollen wir landen?" Auch Daphne war sich ihrer Sache nicht mehr ganz so sicher, aber Michael setzte sich entschlossen wieder auf: "Erst, wenn uns nichts anderes übrig bleibt, die stecken uns doch sonst ins Gefängnis."

"In Ordnung, ich bring' uns hier raus." Und fast im selben Augenblick entdeckte Daphne auf dem Radar zwei sich schnell nähernde Punkte. "Oh Gott," flüsterte sie und tippte ein paar Tasten. "Keine Sorge!" verkündete sie dann wieder etwas zuversichtlicher. "Das sind nur EMP-Raketen, die wollen uns nicht umbringen!"

"Und was sind EMP-Raketen?"

Die Dinger schlossen rasch auf.

"Die senden bei Aufprall einen elektromagnetischen Impuls, der unsere Elektronik lahm legt, wir müssen dann gleiten."

Die Raketen waren jetzt schon sehr nahe und Michael keineswegs beruhigt.

"Guck nich' so. Ich kenn‘ da noch einen kleinen Trick!" Sie beobachtete das Radar, und ihre Hände krampften sich um die Kontrollen. "Ich hoffe du hast dich angeschnallt." Hatte Michael, wie er sich rasch vergewisserte.

Sie versuchte ruhig zu atmen und beobachtete, wie die Entfernung schrumpfte, das Manöver, zu welchem sie den Airhopper dann überredete, war ein gehöriges Stück jenseits der Spezifikation für diese Art von Flugzeug.

Sie drehte den T-förmigen Griff, für die sonst selten manuell gesteuerten hinteren Stabilisatorturbinen, bis zum Anschlag links herum und schlug im selben Moment den Joystick nach links. Der plötzlich hinten verringerte Schub ließ den Hopper abrupt hinten links absacken, und die Steuerturbinen unterstützten diese Bewegung noch zusätzlich. Die Nase begann, sich im selben Moment steil aufzurichten. Dann überschlug sich der Hopper in einer engen Rechtskurve, er zitterte noch durch die Belastung, als Daphne ihn jetzt beinahe im rechten Winkel zum ursprünglichen Kurs wieder stabilisierte. Eine der Raketen verlor ihr Ziel und schoß weiter hinaus in die Wüste, die andere machte einen Bogen und nahm die Verfolgung erneut auf.

"Ich hoffe der Hopper macht das noch mal mit!" Sie riskierte einen kurzen Blick zur Seite, Michael sah etwas blass aus.

Mit einem Blick aufs Radar sah sie die Rakete jetzt wieder in ihren Kurs einschwenken, Schweiß lief ihr über die Stirn, und ihre Hände fühlten sich klebrig an, fester umklammerte sie ihre Kontrollen, das Manöver hatte sie fast fünfhundert Höhenmeter gekostet.

Wieder war die Rakete dicht hinter ihnen, wieder Daphne riss die Kontrollen herum, diesmal in die andere Richtung. Aber es passierte nichts, der Bordcomputer übersetzte ihre hektischen Bewegungen in eine gemächliche Rechtskurve. Dann schlug die Rakete ungehindert in die linke Steuerturbine, und ein Lichtblitz blendete die Fliehenden für einen Augenblick. Plötzlich war es ganz ruhig. Mit müden Bewegungen kamen die Turbinen wenige Sekunden später zum Stillstand.

Michael versuchte, die Flecken vor den Augen wegzublinzeln. "Sind wir jetzt tot?"

"Nein, Michael. Noch nicht." Sie rieb sich die Augen und warf einen Blick auf die schwarzen Bildschirme.

"Ganz schön schwer!" Flüsterte sie fast unhörbar und griff mit der anderen Hand den Joystick fester, vorsichtig bewegte sie ihn hin und her und die Seilzüge bewegten das Leitwerk. Das war doch was, nur Unterstützung durch die Servomoteren war weg. Nun sie würde damit leben können. Sie konzentrierte sich auf den Gleitflug, der im Moment noch vom vorhandenen Impuls getragen wurde. Aber, es war an der Zeit Notfallmaßnahmen einzuleiten. Sie konzentrierte sich auf die Fluglage, so etwas gehörte schließlich auch, zur Ausbildung.

"Michael, zwischen den Sitzen muss eine Klappe sein, öffne sie." Daphne konzentrierte sich auf ihre Aufgabe, Schweiß stand ihr auf der Stirn, es war nicht so leicht einen Hopper ohne Antrieb über längere Zeit in einer stabilen Fluglage zu halten.

"Ein roter Hebel?" versicherte sich Michael kurz, auch, ihm war die Anspannung deutlich anzusehen, doch war es bei ihm allein der Stress der ungewohnten Situation.

"Ja! Erst nach rechts drehen und dann reindrücken." Er tat, wie ihm geheißen und drückte den Hebel in die Vertiefung, es ging sehr schwer.

Ein Pfeifen ertönte, als das komprimierte Gas in die Pneumatik gedrückt wurde, allmählich breiteten sich die Tragflächen aus, filigrane Gebilde, aber sie verbesserten die schlechte Fluglage des antriebslosen Hoppers dramatisch.

"Wohin?" Fragte Daphne und wischte sich erneut den Schweiß aus dem Gesicht, griff aber schnell wieder nach dem Joystick, als der Hopper abzudriften drohte.

"Also, ich möchte bestimmt nicht zurück, der Empfang war doch etwas ruppig." Er blickte auf die Tragflächen und die Wüste darunter, die ganz langsam näher kam.

"Wir sollten versuchen zu einer der Farmen zu kommen, da wird man uns weiterhelfen können." Ja, die Idee ist gar nicht schlecht, zurück zu Stadt, würden wir es auch, nicht mehr schaffen." Sie verloren weiter an Höhe und nur der Fahrtwind war zu hören. Dann leuchtete eines der kleinen grünen Lichter an der Konsole auf.

"Guck einer an, das Ding ist robuster als es aussieht!"

"Was meinst du?" Erkundigte sich Michael und warf einen Blick auf das Lämpchen.

"Das heißt, die Systeme reinitialisieren. Wenn wir es schaffen den Hopper in der Luft zu halten, bis die Turbinen wieder laufen, dann können wir fliegen, wohin wir wollen."

Aber es dauerte viel zu lange, und der schwere Airhopper sackte immer weiter ab, bis der erste Monitor wieder zu neuem Leben erwachte. Eine Statusanzeige, bis auf den Ausfall der linken Steuerturbine war alles in Ordnung, aber die Elektronik wollte noch nicht so recht. Fünfhundert Meter über dem Wüstenboden, meldete der Computer den zweiten Fehlstart der Frontturbine.

"Komm schon, versuch‘s noch mal." Aber gut zureden half hier nicht weiter.

Der Höhenmesser tauchte bei 100 Meter über Null auf, das Radar, zeigte bei 70 m wieder leeren Luftraum an und bei 30 m wurde die Navigationskarte wieder angezeigt. Sie waren auf halben Weg zwischen den nächsten Farmen und der Stadt, bzw. der Fabrik.

5 Meter über dem Boden, begannen die Rotoren langsam anzulaufen.

"Werden wir es noch schaffen?" stöhnte Michael leise, er wollte Daphne auf keinen Fall ablenken. Sie schüttelte nur den Kopf als Antwort, während sie versuchte im Tal zwischen zwei Dünen noch ein paar Meter herauszuholen.

"Wir sind zu tief über dem Sand, wir werden ihn aufwirbeln und er wird die Rotoren verstopfen."

Sie waren nur noch zwei Meter über dem Boden, als der Sand begann, zur Seite gedrückt zu werden. Daphne schaltete die Turbinen ab, bevor sich die Staubwolke sich über ihnen schließen konnte. Mit einem knirschenden Geräusch rutschte der Hopper noch zwanzig Meter, bevor er mit einem Ruck zum Stillstand kam.

"Gar nicht schlecht für meine erste Bruchlandung." Es klang beinahe triumphierend.

"Beeindruckend!" musste Michael zugeben und warf einen Blick auf die Karte. "Aber wir hocken hier mitten im Privatbesitz der Fabrik und haben noch 10 bis 15 Kilometer bis zur nächsten Farm, aber dort wird man uns sicher helfen können."

"Du willst nicht auf die Rettungsmannschaft warten?"

"Nein, Daphne. Lieber nicht. Aber wir werden den Peilsender mitnehmen, wenn wir nicht mehr weiter kommen, können wir damit immer noch Hilfe holen. Wir müssen es nur durch die Wüste schaffen.

"Das könnte noch ein Problem werden was?" Sie war sich nicht ganz sicher, ob seine Entscheidung richtig war, aber zu verlieren hatten sie nicht viel. Ob sie die Fragen der Polizei jetzt oder in ein paar Tagen beantworteten spielte keine Rolle und es bestand immerhin eine Chance, dass sie es schaffen könnten, Daphne nickte zustimmend. Gut, versuchen wir's!"

"Das ist selbst für einen trainierten Menschen ein Marsch von wenigstens einem Tag und dabei werde ich dich noch schleppen müssen."

"Ich könnte hier auf dich warten." Ihr Magen zog sich zusammen als sie sich diese Worte sagen hörte, es war wie ein Eingeständnis ihrer Nutzlosigkeit. Daphne schien fest entschlossen zu sein, aber Michael wollte das gar nicht einsehen.

"Kommt nicht in Frage. Ich werde mir schon was einfallen lassen."

Die Sonne hatte inzwischen ihren Zenit erreicht und brannte unerbittlich auf den in der Düne steckenden Hopper nieder, aber die Klimaanlage hielt sich wacker und kämpfte für eine erträgliche Atmosphäre. Daphne konnte nicht sagen wie erleichtert sie war das zu hören und tat es auch, nicht, sie zog nur die Mundwinkel leicht nach oben und wartete.

"Ich denke, ich werde einen Schlitten für dich bauen."

Michael warf einen Blick auf die zerfetzten Tragflächen und ihre geschwungenen Verstrebungen, das würde sicher gehen.

Der Panzer stoppte, nach schier endlosen Fahrt, bei der sie immer wieder das Gleichgewicht verloren und irgendwo angestoßen war, sie mussten sich tief in der Wüste befinden, aber vielleicht hatte sie bei den vielen Kurven einfach die Orientierung verloren.

Nach langer holpriger Fahrt öffnete endlich jemand die Tür und nahm ihnen die Fesseln ab. Aber es blieb nicht viel Zeit die geschundenen Handgelenke zu reiben. Man stieß sie aus dem Wagen und das helle Licht der Sonne blendete die an die Dunkelheit im Wagen gewöhnten Augen, sodass Melissa blinzeln musste, um überhaupt etwas sehen zu können. Neben sich erkannte sie schemenhaft, wie Hans ebenfalls unsanft aus dem Wagen gestoßen wurde. Er fing sich nicht so glücklich, wie sie und landete auf allen Vieren, eine der Wachen riss ihn unsanft wieder hoch.

Mit einem Gewehr im Rücken trieb man die beiden durch den Sand, sie mussten sich wirklich in der Wüste befinden.

Vor der nächsten Düne erhob sich ein Betonbunker, dessen Stahltüren abschreckend offen standen, darin war es dunkel.

Man trieb Sie die Treppe hinunter, welche in einen Gang mündete und stieß ihnen mit den Gewehrläufen in den Rücken, dass sie dem Gang nach rechts runter folgten. Hier unten arbeiteten alte Neonröhren, die ein ungemütlich gelbes Licht in den Gang warfen. Rohre und Kabel zogen sich an der Decke entlang, es roch unangenehm nach Staub und Öl.

"Halt!" Rief der Befehlshabende unnötig Laut durch die hallenden Gänge und ließ von einem seiner Männer eine Stahltür öffnen.

"Da rein." Sie wurden unsanft gestoßen und stolperten in das Verlies, hinter ihnen viel die Tür mit lautem Krachen ins Schloss.

Sie schauten sich um, das war nicht immer eine Gefängniszelle gewesen, ein paar Kisten standen noch in einer Ecke, in der Mitte des Raumes befand sich ein Abfluss in Boden und Fenster gab es keine. Eine der beiden Leuchtstoffröhren würde früher oder später den Geist aufgeben, sie flackerte schon verdächtig.

"Was für ein Schlamassel." Hans inspizierte die Tür, aber auf ihrer Seite gab es nicht einmal eine Türklinke geschweige denn ein Schloss.

"Was machen wir jetzt?" fragte Melissa und setzte sich erst mal auf eine der Kisten.

"Jedenfalls nicht aufgeben! Wir sollten Anfangen uns den Inhalt der Kisten anzuschauen, dies ist kein Kerker, sondern eine Improvisation, wir werden einen Ausweg finden." Es klang beinahe so als würde sich der Alte auskennen.

Der Beton war zwar alt und durch das raue Klima schon brüchig geworden, aber ohne Werkzeug würde man da nie durchkommen, schätzte Hans die Lage ab. Er war zuversichtlich.

Sie schauten sich die Kisten an, ein paar Drahtspulen und verschiedenes Werkzeug und ein paar alte Gasflaschen, wie man sie manchmal zum Schweißen brauchte, aber kein Schweißgerät.

"Schau dir das an, ich glaub mit diesen Sachen könnte sich was anfangen lassen, wir werden die Tür aufsprengen." Melissa schaute Hans ungläubig an.

"Du willst mir nur Mut machen, glaub ich. Das ist doch alles Schrott und kein Sprengstoff."

"Komm, komm. Ich lüge nicht, das weißt du! Regel Nummer 1: Es gibt immer einen Ausweg und wenn nicht, dann musst du gründlicher suchen. Also fang an, mir zu helfen."

"Weihst du mich ein?"

"Natürlich, pass' gut auf. Wenn auf diesen Flaschen noch genug Druck ist, dann wird sich das Gas abkühlen, wenn es sich ausdehnt. Wir werden also das Schloss vereisen, das Metall wird Spröde. Dann tret' ich die Tür ein."

"Und das soll klappen?"

"Is‘n Versuch wert, bis dir was Besseres einfällt, sollten wir‘s versuchen."

Die Flaschen waren unhandlich groß und schwer, außerdem wollte Hans die schwerste der Flaschen nehmen. Da müsste noch das meiste Gas drin sein.

 "Ich hoffe die Typen kommen jetzt nicht auf die Idee mal nach ihren Gefangenen zu sehen?" Melissa war etwas außer Atem, als sie die schwere Flasche an die schwere Stahltür lehnten.

"Daran wollen wir doch lieber gar nicht denken oder?" Entgegnete Hans, während er die Flasche so drehte, dass die Öffnung auf das Schloss zeigte.

"Nein, lieber nicht, aber was ganz anderes."

"Was denn?"

"Ich muss mal pinkeln!"

"Soll ich mich umdrehen?"

"Ja, das wäre nett."

Der Ventilknauf der alten Flasche war selbstverständlich eingerostet, aber Mel fand in dem herumliegenden Schrott rasch ein Stück Rohr, welches sich als Hebel würde verwenden lassen, Hans war beeindruckt von ihrem Enthusiasmus.

"Du hättest dir keinen leichteren Weg hier raus überlegen können, was?"

"Dann würde es weniger Spaß machen, nicht wahr."

Sie lehnten sich mit allem Gewicht in die Stange und diese bog sich bedenklich, aber dann gab das Ventil mit einem groben Knirschen nach. Die Flasche war noch fast voll gewesen und mit einem ohrenbetäubenden Zischen und Fauchen entleerte sie ihren Inhalt gegen die verriegelte Tür, an der sich beeindruckend schnell Raureif bildete. Hans frohlockte und trat, mit aller Gewalt und Kraft und das war trotz seiner kleinen Statur eine ganze Menge, gegen die Tür, es knirschte bedenklich, aber es rührte sich noch nichts.

"Versuchen wir's zusammen!"

"Ja," stimmte Mel zu. "Auf drei!"

"Gut. Eins, Zwei, Drei." Die Stahltür splitterte aus der Verankerung, als hätte sie niemals hineingehört. Mit lautem Poltern fiel die Gasflasche in den leeren Gang vor ihrer Zelle und rollte scheppernd noch ein paar Meter, bevor sie, ihren Inhalt in den schlecht beleuchteten Gang versprühend, liegen blieb. Wie ein Nebel breitete sich das kalte Gas aus und sammelte sich schließlich am Boden, da es schwerer war, als die umgebende Luft. Eine Minute später war die Flasche lehr und das übel riechende Gas verdünnisierte sich.

Niemand war zu sehen, als Hans seinen Kopf aus der Tür steckte. Hinter sich schlossen sie die Tür wieder, so gut es eben ging, die Flucht würde sowieso sofort entdeckt werden, wenn sich jemand die Mühe machte nachzusehen.

"In welche Richtung wollen wir gehen?"

"Sei mal still." Melissa lauschte angestrengt. "Hörst du das?"

"Was denn?"

"Kann ich nicht sagen, aber es kommt aus der Richtung." Sie deutete in die Richtung, aus der sie gekommen waren. "Ich denke, wir sollten nachsehen, was da los ist", fügte Mel flüsternd hinzu, angestrengt lauschend.

"Ja, dann los," ermutigte Hans die Frau, er selbst hörte keinen Ton.

Als sie am Eingang vorbei waren, der wie sie feststellen mussten inzwischen verschlossen war, bemerkte auch, Hans das pochende Geräusch, er wurde doch wohl noch nicht schwerhörig.

Der Gang führte jetzt in flachem Winkel tiefer in den Untergrund, und zum Pochen gesellte sich ein metallisches Kreischen.

"Eine unterirdische Fabrik vielleicht?"

Melissa nickte zustimmend, und sie schlichen weiter, es gab hier keine Deckung, aber es war auch, weit und breit kein Lebewesen zu sehen.

Es dauerte nicht mehr lange, dann erreichten sie eine Halle, die aussah, als hätte man sie direkt aus dem Felsgestein gehauen. Starke Lampen an der hohen Decke tauchten die Maschinen in gleißendes Licht, aber es war gespenstisch, nirgends war jemand zu sehen. Die Produktion lief vollständig automatisch und als die schwarze Keramikverschalung eines Kampffliegers aus dem Brennofen auftauchte, fühlten beide ihren Verdacht bestätigt. Hier wurden diese Dinger zusammengebaut.

Hans warf einen Blick in die Runde, konnte aber keine Überwachungskameras erkennen. War das eine Falle? Aber man konnte doch unmöglich schon wissen, dass sie ausgebrochen waren.

Er zog Melissa hinter sich her und mit wachen Augen nach allen Seiten spähend gingen sie an den Maschinen und Robotern vorbei, dahin, wo Hans das Ende der Produktionsanlage vermutete, dort sollte doch auch, ein Ausgang sein.

Eines der kleinen Raumschiffe wurde gerade in einen Container geschoben, eine Platzverschwendung, es würden auch, zwei von den Dingern in einen Transportbehälter gehen. Aber das würde es unmöglich machen, die Ladung als Bohrmaschine zu tarnen, dachte Hans bei sich und signalisierte Mel, ihm weiter zu folgen.

"Ich wette, da gibt es auch, einen Weg nach oben." Melissa nickte und deutete auf einen großen Fahrstuhl, der sich gerade öffnete.

Einem Reflex folgend drückte Hans sich und Melissa in eine Nische neben der Waschanlage, in welcher vor dem Abtransport Öl und Staub von den Fliegern entfernt wurden.

Aber es kam niemand aus dem Fahrstuhl, statt dessen schob eine Maschine zwei frisch fertig gestellte Kampfflugzeuge in den Bauch, des Lastenfahrstuhls.

Dann war der Fahrstuhl wieder nach oben verschwunden, aber Hans dachte auch, gar nicht daran sich der Gefahr auszusetzen an der Oberfläche gleich wieder gefangen zu werden. Es musste einen anderen Weg nach oben geben, nicht die offene Plattform des Fahrstuhls, die außer den Containern keine Deckung gab. Er war sich sicher, dass es hier auch, einen Treppenaufgang geben musste.

Tatsächlich befand sich in der Nähe eine zweiflügelige mit Eisen beschlagene Tür. Blieb nur noch das Schloss zu öffnen.

Hans zog einen der Schraubenzieher aus der Tasche, den er sich in ihrer Zelle eingesteckt hatte, keine besonders gute Waffe, wenn es zu einem Kampf kommen sollte, aber doch besser als die bloßen Hände und begann die Schrauben des Schlosses zu lösen. Er legte den Schließmechanismus frei und hebelte den Riegel zurück. Das Schloss war nie dazu konstruiert worden irgendjemanden einzuschließen.

Hans legte sein Ohr an die Tür und lauschte einen Augenblick, aber da war nichts zu hören. Sie hatten Glück es handelte sich wirklich um das Treppenhaus, aber es war schon lange nicht benutzt worden. Eine der sechsbeinigen Eidechsen huschte verängstigt zwischen ihren Beinen hindurch, die Treppen waren von feinem Sand bedeckt.

In einem engen Bogen wand sich die Wendeltreppe aus Beton durch das marmorierte Gestein, dies war möglicherweise ein Bohrloch gewesen, vielleicht um die Chancen für eine unterirdische Fabrikanlage auszutesten.

Viele Stufen später erreichten die Flüchtigen eine zeltartige Betonkonstruktion, an deren Frontseite sich eine schlecht sitzende Kunststofftür befand, die von den Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht schon arg verbogen war. Melissa kniete nieder und warf einen Blick durch den klaffenden Spalt zwischen Tür und Rahmen.

Ein mit Sandverwehungen bedeckter Landeplatz erstreckte sich vor ihnen und rechts konnten sie sehen, wie sich der Fahrstuhl allmählich wieder in die Tiefe zurückzog, dann schlossen sich die Schiebeelemente über diesem.

Eine Reihe von Raumschiffen waren auf der linken Seite geparkt, bis auf einen, waren es Atmosphärengleiter mit ihren charakteristischen Propellern, nur das Raumschiff, welches ihnen am nächsten stand, war anders. Dieses Schiff war Mattblau, besaß starke schwenkbare Raketen zu beiden Seiten und war schlanker geformt als die Gleiter. Es war aber auch, nicht mehr als zwanzig Meter lang und fünf breit.

Melissa bewunderte dieses Schiff, es war nicht klobig und zweckorientiert, sondern schön, beinahe elegant. Sie erkannte an den sauberen Stellen im Zentrum des Landebereiches, dass hier vor kurzem wenigstens zwei Flugzeuge gestartet waren. Ein Geländewagen fuhr durch ihr Blickfeld, aber sie konnte nicht sagen, ob es derselbe war, der sie hergebracht hatte.

Der Wagen verschwand in der Ferne und dann war der Platz leer, wie viele Transporte mochten hier wohl in der Woche stattfinden.

Sie sagte Hans, dass die Luft rein sei und Sie öffneten mit einem Ruck die Tür, deren Riegel kaum noch einen Halt im morschen Rahmen fand.

"Wir sollten einen Gleiter nehmen", schlug Hans vor.

"Kannst du so was fliegen?"

"Nein. Noch nicht. Aber so schwer kann das nicht sein."

Melissa wusste nicht, was sie darauf  antworten sollte.

"Welches Schiff sollen wir nehmen?" Erkundigte sich Hans schließlich, als er sich die Flieger angesehen hatte.

Ohne zu zögern, deutete Melissa auf das Mattblaue. "Das will ich haben!"

"So gut wie jedes andere", meinte Hans und begann hinaufzuklettern. Sie stiegen die kleinen in die Außenwand eingelassenen Tritte hinauf zum Cockpit. Instrumente gab es kaum welche, nur ein paar Monitore, ein Joystick und noch einige Hebelchen und Knöpfe.

"Nun," so dachte Hans laut, "wo wenig Knöpfe sind, da kann man auch, nicht viel falsch machen."

Eine Bedienungsanleitung konnte Hans leider nicht finden, Melissa ließ sich auf dem Kopilotensitz nieder und schloss die Einstiegsluke, welche sich mit einem Zischen versiegelte.

"Dann mal los!" Ermunterte sie den selbst ernannten Piloten.

"Kannst du mir sagen, wo man das Ding einschaltet?" Er schaute sich um und fand eine Klappe, in der sich ein fingerkuppengroßer grauer Zylinder befand. "Der Zigarettenanzünder?" Er steckte das Ding in die Tasche und sah sich weiter um.

 "Versuch diesen Knopf!" Schlug Melissa vor.

"Ja und Rot ist er auch, noch, das muss der Richtige sein." In Hans Philosophie waren die roten Knöpfe stets diejenigen, die man zuerst drücken sollte.

"Guten Tag, wen darf ich als Piloten eintragen?" Meldete sich die beruhigende Stimme des Bordcomputers.

Hans warf einen erstaunten Blick zu Melissa hinüber und räusperte sich. "Hans."

"Guten Tag, Ährr Hans. Was kann diese wunderbare Maschine für Sie tun?"

"Wie wär's mit starten!"

"Eine gute Wahl, Ährr Hans, ich werde dazu erst den Preflightcheck durchführen, ist das in Ordnung?"

"Ja, ist gut. Äh und streich' das Räuspern, einfach Hans, das reicht."

"Positiv, Hans!"

Die Bildschirme flackerten kurz und rollten dann lange Listen von Statusanzeigen schneller als Hans oder Melissa ihnen folgen konnten.

"Alles in den Toleranzgrenzen, ich werde jetzt den Start einleiten, haben Sie besondere Wünsche Hans?"

Hans warf einen Blick zu Melissa hinüber. "Schön langsam bitte", antwortete diese.

"Darf ich bitte den Kopiloten registrieren?"

"Melissa."

"Danke Melissa, ist eine Beschleunigung von plus 0,05 g akzeptabel?"

"Ja, bring' uns bitte auf 5 Kilometer", schlug Hans vor.

"Positiv, Hans."

Kaum merklich erhob sich das Schiff, und es dauerte lange, bis sie die angegebene Flughöhe erreichten.

"Möchten Sie ein Flugziel angeben, Hans?"

"Zeig uns doch mal eine Karte der Gegend."

Auf dem Monitor, in Melissas Nähe tauchte eine Navigationskarte auf. Sie war einen Blick zu Hans hinüber. "Also, wo soll's hingehen?"

"Ich bin nicht autorisiert, solche Entscheidungen zu treffen, Melissa!" Antwortete der Computer, bevor Hans sagen konnte: "Die Frage war an mich gerichtet."

"An wen war dieser Satz gerichtet, Hans? Ich möchte Sie bitten, stets den Namen der angesprochenen Person zu nennen. Danke."

"Also Hans, wo soll's hingehen." Grinste Melissa.

"Zurück zum Hotel, würd'  ich sagen."

"Ja ich denke, das ist wohl die beste Idee, Michael und Daphne sollte inzwischen auch, zurück sein", und fügte schnell noch "Hans", hinzu.

"Computer, würdest du uns zum Desert Inn Hotel bringen."

"Auf diesem Planeten gibt es in jeder größeren Stadt ein Desert Inn, ich benötige genauere Spezifikation."

Der Monitor zeigte jetzt eine Liste von über fünfzig Städten, mit Straße und Hausnummer der jeweiligen Hotels.

"Das Desert Inn von Jaraya, Computer."

"Positiv, Hans. Und Sie dürfen mich ANACONDA nennen."

In gemütlicher Geschwindigkeit begannen sie ihrem Ziel entgegenzugleiten, während die sich die Sonne langsam hinter dem Horizont versenkte.

"Wofür steht das, Anaconda?"

"Das ist die Abkürzung von ‘Automatic Navigation And Control Of Non Disabusable Aircrafts, ich bin der Prototyp des Bordcomputers eines nicht mehr zu stehlenden Raumschiffes." Und ein gewisser Anteil von Stolz schien in der künstlichen Stimme mitzuschwingen.

Hans und Melissa verkniffen sich das lachen, es war wohl noch ein wenig Entwicklungsarbeit an diesem Prototyp notwendig.

"Da hast du uns aber ein Prachtstück ausgesucht, Melissa." Gluckste Hans.

"Du bist das einzige Exemplar, Anaconda?" Wandte Mel sich an den Computer.

"Positiv, Melissa. Ich bin zu Testzwecken auf dem Landeplatz abgestellt worden, morgen sollte ein Testflug stattfinden, aber Sie haben mich leider vorher gestohlen."

"Was?" Hans hatte plötzlich ein ungutes Gefühl.

"Ich gehe davon aus, dass dies eine Frage an mich war! Meine Datenbank hat Sie nach der Identifikation als rechtmäßigen Besitzer ausgewiesen. Offensichtlich ein Programmierfehler."

"Wirst du etwas dagegen unternehmen, Anaconda?" erkundigte sich Melissa, zusehends nervöser werdend.

"Negativ, dieses Programm ist geschaffen worden, den Piloten, sowie alle von ihm autorisierten und geduldeten Personen, in jeder Situation zu unterstützen. Einen Moment, ich habe hier eine automatische Breitbandnachricht vom Gelände der Potea Bergwerksbedarf GmbH. Soll ich durchstellen, Hans?"

"Lass hören."

"Sie befinden sich in privatem Luftraum, kehren Sie sofort um. Es wird scharf geschossen!" Schallte sofort darauf eine metallisch klingende Stimme über den Bordlautsprecher.

"Ich erwarte ihre Anweisungen, Hans."

"Ignorier' die Nachricht. mal sehen, was passiert."

"Sie befinden sich in privatem Luftraum, kehren Sie sofort um. Es wird scharf geschossen!"

"Meinst du, die könnten das ernst meinen. Hans", flüsterte Melissa verängstigt.

"Sie befinden sich in privatem Luftraum, kehren Sie sofort um. Es wird scharf geschossen! Dies war die letzte Warnung."

"Anaconda, welche Verteidigungsmöglichkeiten haben wir?"

"Dies ist ein unbewaffneter Space-Speedster, wir können keine aktiven Abwehrmaßnahmen einleiten."

"Sie befinden sich in privatem Luftraum. Es wird scharf geschossen! Zwei Raketen haben auf ihr Fahrzeug aufgeschaltet. Setzen Sie sofort zur Landung an und aktivieren Sie ihren Peilsender für die Rettungskräfte."

"Hans, die werden uns die Matsche aus dem Kopf blasen", stöhnte Melissa.

"Meine Sensoren erfassen zwei Standard EMP-Raketen, die sich auf diesen Spacespeedster aufschalten, es droht nach meinen Analysen keine Gefahr, wir können die Warnung ignorieren. Hans, ich brauche aber ihre Autorisation Ausweichmanöver einzuleiten."

"Sicher, bring' uns hier raus." "Danke, Hans."

 "Sie befinden sich in privatem Luftraum. Es wird scharf geschossen! Zwei Raketen sind abgeschossen worden. Setzen Sie sofort zur Landung an und erwarten Sie weitere Anweisungen."

Ein paar Minuten später tauchten die Raketen auf dem Radar auf.

"Ach, Anaconda. Bist du nicht etwas zu selbstsicher?"

"Negativ, Melissa. Ich kenne meine Spezifikation, es ist vereinbar mit meinen technischen Daten, dass ich von einer dieser Raketen getroffen werde. Der elektromagnetische Impuls würde mich lahmlegen, und Sie würden mit 1 g Richtung Erde beschleunigen.

"Mit anderen Worten, wie ein Stein vom Himmel fallen."

"Nach meiner Datenbank gibt es im Himmel keine Steine, aber die Flugeigenschaften sind mit dieser Analogie durchaus treffend beschrieben. Melissa." Und eine Sekunde später fuhr der Computer fort: "Ich werde jetzt ein Ausweichmanöver einleiten. Hans, Melissa, vergewissern Sie sich bitte über den Sitz ihrer Gurte, wir haben noch zehn Sekunden, möchten Sie einen Countdown Hans?"

"Ja, das wäre nett, Anaconda."

"Fünf, Vier, Drei, Zwei, Eins. Und aufwärts!"

Melissa und Hans wurden unsanft in die Sessel gepresst, als der Speedster vor der Rakete steil nach oben zog und dann seinen Vorwärtsimpuls in einer seitlichen Rollbewegung und massivem Einsatz der Bremsraketen aufhob, einen Augenblick standen Sie ruhig in der Luft.

"Meine Sensoren melden, beide Raketen haben ihr Ziel verloren. Ich bin nicht autorisiert diesen Vorschlag zu machen, möchte aber hiermit vorschlagen, diesen Luftraum zu verlassen und einem weniger direkten Weg zum Hotel zu nehmen.

"Ein guter Vorschlag, Anaconda. Mach es einfach!"

"Positiv, Hans. Ich werde mich bemühen das Manöver leicht nachvollziehbar zu gestalten."

Eine halbe Stunde später setzte Anaconda den Speedster gefühlvoll auf dem Dach des Hotels ab und Belegte dabei vier der sonst nur für Airhopper reservierten Parkbuchten.

"Ich hoffe, alles war zu Ihrer Zufriedenheit?"

"Ja, Anaconda. Danke fürs Mitnehmen."

"Ich werde mich für die Ruheperiode abschalten, möchten Sie weiteren Personen eine Zugangsberechtigung erteilen, Hans."

"Nein, im Moment nicht."

"Anaconda wünscht auch, Ihnen eine angenehme Ruheperiode." Dann verloschen die Lichter und die Bildschirme wurden dunkel.

"Wow, was für ein tolles Schiff." Lobte Melissa und strich anerkennend über die Konsolen des Raumschiffes.

"Ja, ich denke wir haben einen Glücksgriff getan und jetzt lass uns nach den Kindern sehen."

"Das solltest du aber nicht in deren Gegenwart sagen."

"Werd' dran denken!"

Aber weder Daphne, noch Michael waren irgendwo aufzufinden, auch, der Hopper war noch nicht zurück.

"Das muss nicht unbedingt etwas zu bedeuten haben." Versuchte Melissa sich einzureden, aber nach ihren eigenen Erfahrungen über dem Gelände der Bergwerks GmbH, konnte sie daran nicht recht glauben.

"Ich hätte die beiden nicht allein losschicken sollen, wir werden sie suchen müssen."

In diesem Moment klopfte es an die Zimmertür.

"Herein!"

Der Portier entschuldigte sich für die Störung. "Ah, zwei Sachen Sir, für das Raumschiff müssen wir Ihnen leider die vierfache Parkgebühr abverlangen."

"Ja, schon gut und die Zweite?"

"Eine Nachricht, von einer gewissen Daphne. Möchten Sie sie entgegennehmen?"

"Ja, her damit." Dann scheuchte Hans den Portier mit einem großzügigen Trinkgeld wieder aus dem Zimmer."

"Eine Email." Verkündete Melissa, als sie die Karte in ihren kleinen Handcomputer steckte, "Sie haben das Hotel angefunkt."

Sie las laut vor: "Macht euch keine Sorgen, kommt zur ABaixio-Farm, Michael und ich werden dort voraussichtlich morgen Abend eintreffen. Versucht unauffällig zu bleiben. Mit Grüßen von Daphne und Michael."

6.Kapitel: Flucht aus der Wüste