7.Kapitel: Überdruck

Gefangen und Gefoltert

Hans war der Erste, den man aus der Druckkammer hinausließ, er hatte keine Gelegenheit sich nach Melissa umzusehen, sondern wurde sogleich von bewaffneten Männern abgeführt.

Man brachte ihn in einen Raum und richtete helle Lampen auf ihn, während zwei andere Wachen ihn auf dem unbequemen Stuhl, mit dünnen Stahlkabeln anschnallten.

"Was soll das?" schrie er sie an, aber er bekam keine Antwort.

Die Bewaffneten verließen den Raum, und Hans war für einen Moment allein, aber so sehr er auch, an den dünnen Drähten zerrte und rüttelte, die ihn in seinem Stuhl fixierten, er begann nur sich selbst zu verletzen, seine Fesseln lösten sich nicht. Nach einiger Zeit öffnete sich die Schiebetür wieder, und ein Mann betrat den Raum, Hans konnte ihn nicht erkennen, die Lampen blendeten ihn.

"Wer sind Sie?"

"Sie sind nicht in der Position hier fragen zu stellen", antwortete der Fremde kurz, mit schneidender Stimme und begann mit seinem Verhör.

"Warum haben Sie uns angegriffen?"

"Wir haben Sie nicht angegriffen, was soll das, lassen Sie mich sofort frei." Erneut rüttelte Hans an seinem Stuhl und spürte, wie Blut an seinem rechten Handgelenk herunterfloss.

"Herr Isumúya, muss ich Ihnen erst die Aufzeichnungen zeigen, die wir von diesem Vorfall gemacht haben?"

Hans erstarrte förmlich, dieser Typ verwechselte ihm mit dem Käpt'n, wo war dann dieser unheimliche Kommandant geblieben.

"Ich sehe, Sie verstehen. Also, warum haben Sie uns angegriffen?"

Hans versuchte nachzudenken, was für ein Spiel wurde hier gespielt, warum hatte Isumúya die anderen Schiffe angegriffen und wo war er jetzt, er hatte nicht ausgesehen, wie jemand der sich bei Gefahr verstecken würde.

"Wenn Sie nicht antworten möchten, wir können das hier auch, auf die harte Tour machen, ich habe schon viel von Ihnen gehört alter Mann, und Sie erschrecken mich kein bisschen."

"Sie werden sich schon noch erschrecken!" flüsterte Hans bedrohlich, er hatte sich entschieden dieses Spiel wenigstens noch eine Weile mitzumachen, es würde sich schon irgendwas ergeben.

"Ich werde Sie etwas anderes fragen." Er machte eine Pause. "Wo befindet sich Jason DeRochelle?" Wollte er dann plötzlich wissen.

Die ganze Galaxis schien hinter diesem Jason her zu sein, Hans beschloss sich die ganze Sache noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen, wenn er die Zeit dazu fand. "Finden Sie ihn doch selbst!" Und er versuchte, bei diesen Worten ruhig und Überlegen zu klingen.

Ein Stromstoß jagte durch seinen Körper und ließ seine Muskeln zucken, die Kabel rissen tiefe Wunden in seine helle Haut, Hans biss die Zähne zusammen.

"Beantworten Sie meine Fragen! Was wissen Sie von unserem Geschäft?"

"Ich weiß gar nichts."

Erneut brannten sich die Elektroden in seinen Rücken.

"Ich weiß nichts", brüllte Hans.

Von irgendwoher brachte der Fremde eine dicke Spritze zum Vorschein, und Hans wusste sofort, was das zu bedeuten hatte. Ein Wahrheitsserum, wie man es landläufig nannte, Hans musste grinsen, es genügte ein wenig Selbstbeherrschung, um mit den meisten Mitteln fertig zu werden.

Unsanft stach die Nadel tief in seine Vene, und ein brennender Schmerz jagte seine Adern entlang, Hans legte sich seine Gedanken zurecht, solange er sie noch beieinander hatte. Allmählich schwanden ihm die Sinne, er würde sich nachher nicht erinnern, was er gesagt hatte, aber das spielte keine Rolle.

Es dauerte zwei Stunden, in denen Hans ihnen fast alles über seine Ex-Frau erzählte, wichtig war es sich von den Fragen des Gegners nicht ablenken zu lassen. Aber schließlich merkte er wie die Wirkung der Droge nachließ und so auch, sein Gegenüber, Hans sah, wie er vor Wut kochte.

"Sie sind sehr hartnäckig, aber wir werden Mittel und Wege finden, Sie zum Reden zu bringen. Vielleicht kümmern wir uns jetzt erst mal um die Frau!" Es klang wie eine Drohung. "Nein, nicht Melissa!" Schrie Hans verzweifelt, aber der Mann schien zu grinsen, als er aufstand. "Das kommt etwas spät, alter Mann!"

Dann verließ der Fremde den Raum, das Licht wurde ausgeschaltet, und man ließ Hans allein, in der dunklen Zelle. Die Schmerzen in seinen Adern ließen nur langsam nach. Er versuchte nachzudenken, aber es dauerte einige Zeit, bis er seine Gedanken wieder geordnet hatte.

Melissa ging es sehr schlecht, man hatte ihr die Augen verbunden, sie saß gefesselt auf einem kalten Stuhl aus Metall.

"Wer sind Sie?" Das war nicht die Stimme des Mannes, der in der Druckkammer mit ihr gesprochen hatte, er überließ die Drecksarbeit wohl einem seiner Handlanger.

"Wir hatten eigentlich erwartet, Jason an Bord des U-Boots zu finden. Da er aber nicht da war und sich ihr Freund als außerordentlich zäh erwiesen hat, hab' ich jetzt das Vergnügen dich ein wenig auszufragen." Der Mann lachte, dass es Melissa einen kalten Schauer den Rücken hinauftrieb.

"Lassen Sie mich in Ruhe", faucht sie ihn verzweifelt an.

"Arbeiten Sie für Jason DeRochelle?"

"So ein Unsinn, ich arbeite für niemanden."

"Sie sind nicht besonders kooperativ."

"Lassen Sie uns frei. Wir haben Ihnen nichts getan." Stöhnte Melissa außer Atem.

"Sie haben unsere kleine Fabrik auf Potea gesehen, ich kann Sie nicht gehen lassen."

Wieder ein Stromstoß, stärker diesmal, sie krümmte sich vor Schmerzen. Melissa hatte unweigerlich den Eindruck der Mann würde gefallen daran finden.

"Ich will doch nur wissen, ob Jason Sie geschickt hat, um noch mehr Wanzen in unsere Flieger zu setzen?"

"Ich sagte, dass ich das nicht weiß. Ahh! Ich kann doch nicht sagen, was ich nicht weiß." Es fiel ihr schwer, bei Bewusstsein zu bleiben.

"Wie Sie wollen, wir haben noch andere Möglichkeiten Sie zum Sprechen zu bringen!"

Eine Hand wie eine Schraubzwinge ergriff ihren Arm und drehte ihn, wollten Sie ihr jetzt die Arme brechen? Dann spürte sie den Einstich, Drogen! Schoss es ihr durch den Kopf, man konnte sich angeblich dagegen wehren, die Wahrheit auszuplaudern, aber Mel wusste nicht wie.

Melissa spürte, wie die Nadel in ihre Vene eindrang und ihren Inhalt entleerte, es brannte wie glühendes Eisen. Dann begannen ihre Gedanken zu verschwimmen, jede Fähigkeit sich zu konzentrieren verschwand, wurde von der Droge fortgewischt, wie eine Lache auf dem Küchenboden.

Sie war erschöpft und ihr Ellenbogen schmerzte von den Nadelstichen, sie wusste nicht, wie viel sie ihnen unter Drogen erzählt hatte. Ganz langsam sammelte sie Kraft für einen Gedanken, aber die Wirkung des Serums war zu stark, sie verlor ihn wieder, sie redete wirr von ihrer Kindheit auf Heliopolis, sie wusste nicht, dass man sie längst allein gelassen hatte.

Melissa versuchte sich zu entspannen, die malträtierten Muskeln zu lockern, aber sie wollten nicht so recht gehorchen, sie versuchte einen Gedanken zu fassen, einen Satz, ein Wort.

"Hilfe", flüsterte sie, es war so leise, dass sie selbst es kaum verstand.

Hans marterte sich das Gehirn, es musste eine Lösung geben, in der diese Handlungen einen Sinn ergaben, war der Blackbird so wichtig, dass man zu derart radikalen Mitteln griff?

Lange, nachdem Hans zu dem Schluss gekommen war, dass ihm immer noch wichtige Steine in diesem Puzzle fehlten. Schließlich wurde das Licht wieder eingeschaltet, seine Augen schmerzten nach der Dunkelheit, und er blinzelte, um zu sehen was vorging. Der Mann setzt sich wieder hinter die Lampen.

"Machen wir ein Geschäft, Hans Christ. Sie beantworten meine Fragen, und ich sage Ihnen, was wir mit ihrer Freundin angestellt haben."

Hans wäre aufgesprungen, wenn er gekonnt hätte. "Was habt ihr mit Mel gemacht?" brüllte er zornerfüllt und beugte sich vor, soweit seine Fesseln das zuließen, die Drähte schnitten sich tief in das Fleisch an Armen und Hals, warmes Blut sickerte aus den Verletzungen.

"Keine Angst, sie lebt. Noch. Hätten Sie gleich gesagt, dass Sie nicht Isumúya sind, hätten wir uns das vielleicht gespart, wir sind ja keine Unmenschen. Aber Sie haben uns keine Wahl gelassen."

Hans tobte vor Wut, ballte seine großen Hände zu Fäusten und zerrte an den unnachgiebigen Fesseln, nutzlos.

"Sie sollten sich beruhigen, Sie verletzen sich ja noch selbst." Die kalte Stimme des Mannes ließ Hans nur noch wütender werden.

"Lasst Melissa gehen, dann red‘ ich."

"Ja, das kann ich mir denken. Leider hat ihre Freundin schon alles ausgeplaudert und so haben wir leider keine Verwendung mehr für so unwichtige Leute wie Sie."

"Sie wollen uns umbringen?" Brüllte Hans.

"Sie sind klüger, als ich dachte." Er drehte sich wieder um und ließ die Tür öffnen.

"Wenn Sie mich schon töten, dann sagen Sie mir wenigstens wofür."

"Sie haben zu viele schlechte Filme gesehen Herr Christ, ich habe zu tun." Ohne sich umgedreht zu haben, verließ er den Raum.

Das Licht wurde erneut ausgeschaltet, wenigstens ein paar Minuten hatte er wohl noch.

Für Hans waren es Stunden die vergingen. Noch einmal versuchte er verzweifelt eine Fessel zu finden, die bereit war, nachzugeben, aber da war nichts zu machen, er musste einfach abwarten und hoffen, dass noch etwas Unerwartetes passierte. Seine Geschichte konnte doch hier nicht Enden, das war doch noch nicht alles gewesen.

Es dauerte noch lange bis sich die Tür wieder öffnete, Hans krampfte sich in Todesangst zusammen, sein Herz setzte beinahe aus und kalter Schweiß perlte über seine Stirn. Plötzlich wurden seine Fesseln gelöst und mit trockener Kehle versuchte er um sein Leben zu betteln, aber er bekam kein Wort heraus. Dann waren die Fesseln gelöst, aber Hans war wie gelähmt vor Angst, er wagte nicht, die Augen zu öffnen. Und wartete, wartete auf seinen Tod.

"Kommen Sie." Sagte die heisere Stimme, und Hans blieb gar nichts anderes übrig, als willenlos zu folgen. Erst als er hinter dieser Person in den erleuchteten Gang trat, bemerkte er, dass es nicht sein Henker war, der ihn abgeholt hatte.

"Was?" brachte Hans nur mit trockener Kehle hervor.

"Kommen Sie", flüsterte Isumúya und schlich vor ihm den Gang hinunter vor ihm den Gang hinunter, dann öffnete er eine Seitentür und verschwand darin, Hans folgte und wäre beinahe über die Körper zweier lebloser Wachen gestolpert.

"Da warten." Sein Befreier deutete auf eine offen Tür, und er brachte sich in Sicherheit, kurz bevor er selbst die Schritte hörte. Als er hinaustrat, lag eine weitere Leiche im Gang. Hans fragte sich, wie dieser Kerl das anstellte, sein eigenes Herz hatte sich inzwischen etwas beruhigt und sein Atem kam auch, nicht mehr ganz so pfeifend. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und folgte Isumúya weiter durch das diskusförmige Schlachtschiff.

"Was ist mit Melissa?" Erkundigte er sich schließlich, als sein Verstand wieder ansetzte, in vollständigen Sätzen zu denken. Aber er bekam keine Antwort. "Ich werde mich nicht von der Stelle rühren, wenn Sie mir nicht sagen, was mit ihr los ist?" Verkündete Hans entschlossen und hielt inne. Tatsächlich zögerte seine unheimliche Vorhut und drehte sich zu ihm um, unter der Kapuze war nichts von seinem Gesicht zu erkennen, aber Hans spürte, dass er angestarrt wurde, sein Herz wollte davonlaufen so schnell schlug es.

Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, bis Isumúya antwortete. Seine heisere Stimme klang sehr bedrohlich.

"Ich hole Sie", flüsterte er, als sei es eine Morddrohung und drehte sich wieder um. Hans war das Herz glatt stehen geblieben, ein stechender Schmerz zog sich durch seinen Brustkorb, und er glaubte nicht mehr atmen zu können, dann legte sich das Gefühl und er folgte um die nächste Ecke, wo er beinahe über einen Toten gestolpert wäre. Rasch schloss er zu dieser unheimlichen Person auf, die sich zielsicher durch das Schiff bewegte.

Sie betraten einen Fahrstuhl und bewegten sich abwärts, das Brummen der Ionenantriebe wurde lauter.

"Da hin", flüsterte Isumúya und deutete in die Ecke neben der Tür, bevor die Fahrstuhltüren sich wieder öffneten. Dann trat die breite Gestalt in ihrem weiten Gewand hinaus und Hans meinte ein Röcheln zu vernehmen, dann hörte er zwei dumpfe Aufschläge, er beugte sich vor und warf einen Blick aus der Fahrstuhltür, zwei weitere Wachen hatten ihr Leben lassen müssen.

Hans bekam das kalte Grausen, dieser Typ tötete am laufenden Band und seine Opfer, gaben nicht einen Ton von sich, das war niemand den er gern zu seinen Feinden zählen würde.

Fünf weitere mussten dran glauben, bevor Sie den Hangar erreichten, eine ganze Staffel von zwanzig Kampffliegern stand hier in Reih und Glied und wartete nur darauf durch die Luftschleuse nach draußen ins Gefecht geschossen zu werden.

"Einen Moment," Hans blieb erneut stehen, "sagten Sie nicht, dass wir Melissa holen."

"Nein! Ich hole Sie." Isumúya deutete auf den Flieger am nächsten zur Schleuse. "Einsteigen", flüsterte er, Hans musste sich anstrengen es zu verstehen, aber er Verstand auch, dass es in diesem Punkt keine Diskussionen geben würde. Es blieb ihm keine andere Wahl als seinem Retter zu trauen, wahrscheinlich war es schwer genug eine Person zurzeit aus dem Schlachtschiff zu holen. Etwas widerwillig kletterte er in den Flieger und beobachtete, wie sich sein Befreier an einem andern zu schaffen machte. Als ich die Kuppel über ihm schloss, begann sein Jäger auch, schon sich in die Schleuse zu bewegen, jemand musste das schon vorher programmiert haben.

Das Cockpit versiegelte, während sich die Schleuse hinter ihm schnell wieder zu schließen begann, er warf noch einen Blick zurück, aber von seinem Retter konnte er nichts mehr sehen, dann wurde er in den Weltraum gespuckt. Er zog den Steuerknüppel zur Seite und ließ den Flieger drehen, bis er den Wasserplaneten Trivar über sich erkennen konnte, sie hatten sich schon ein gehöriges Stück von ihm entfernt. Sein Impuls hielt ihn noch seitlich des tellerförmigen Schlachtschiffes, welches sich hinter ihm mit wachsender Geschwindigkeit aus dem System entfernte. Er sah auch, das zweite Schiff, das sich schräg hinter ihm befand. Dann schob er den Schubregler nach vorn und steuerte auf den Planeten zu. Er hatte zwar keine Ahnung, wie man dieses Ding bediente, aber irgendwer auf diesem blauen Fleck vor ihm im Weltraum würde ihm schon sagen können, wie er sicher landen konnte.

"Meine Sensoren erfassen einen Kampfflieger." Verkündete Anaconda über die Bordsprechanlage des Blackbird. "Nach meinen Beobachtungen ein schlechter Pilot." Fügte der Computer dann hinzu.

"Kannst du eine Funkverbindung herstellen, Anaconda." Wollte Daphne wissen.

"Positiv, Daphne. Der Flieger verwendet eine andere Codierung, es dauert nur eine Sekunde." Es brauchte zwei Sekunden, bevor ein Rauschen im Lautsprecher die schlechte Verbindung verriet."

"Dies sind Blackbird und Anaconda, Identifizieren Sie sich?" Daphne versuchte bestimmt zu klingen, es war ihr nicht ganz klar, was sie davon halten sollte. Sie wünschte, sie hätte ein paar Raketen dabei.

"Ich bin froh, von euch zu hören, Kinder", meldete sich Hans vertraute Stimme, und die Spannung im Cockpit des Blackbird löste sich.

"Wir sind auch, froh, wo ist Melissa?"

"Das kann ich nicht sagen, Isumúya will sie rausholen."

"Der unheimliche Typ vom Pier?" erinnerte sich Michael.

"Er hat noch einiges an Unheimlichkeit zugelegt seit dem. Glaubt ihr, ich könnte vielleicht zu Anaconda umsteigen, ich hab' nämlich keine Ahnung, wie man dieses Ding hier fliegt."

"Das habe ich festgestellt!" Mischte sich Anaconda in die Unterhaltung. "Wenn Sie einen Raumanzug haben, können Sie umsteigen."

Es dauerte einen Moment bis sich Hans wieder meldete. "Ja, so etwas liegt hier hinter meinem Sitz."

"Ich werde Ihren Bordcomputer übernehmen, wenn Sie es erlauben. Sie können in einer halben Stunde Umsteigen, Hans."

"Danke Anaconda. Übernimm du die Lenkung."

Der Flieger war inzwischen in Sichtweite, und Michael konnte sehen, wie die Fluglage bedeutend ruhiger wurde, sobald sich Anaconda um die Lenkung kümmerte.

Aber Hans brauchte noch weit mehr als eine halbe Stunde, bis er sich in seinem engen Cockpit in den Raumanzug gezwängt hatte, sein Flieger schwebte inzwischen nur noch Zentimeter vor der offenen Luke des Spacespeedsters. Schließlich war es soweit. Die Kuppel klappte auf, und Hans stieß sich vorsichtig ab und ließ sich in Anacondas offene Luke treiben, die sich hinter ihm wieder schloss. Beinahe wäre er in die Armaturen der Küchennische gerammt, aber Hans konnte sich gerade noch an der Wand abstützen.

Die Luke schloss sich lautlos hinter ihm.

"Druck wird in zwei Minuten wieder hergestellt sein, ich muss davor warnen den Raumanzug vorher zu öffnen."

"Für wie blöd hältst du mich eigentlich?" Hans klammerte sich an den Klapptisch.

"Wir haben etwas Zeit verloren und werden jetzt eine Weile mit 1,5 g beschleunigen. Kommen Sie bitte in die Kanzel, Hans."

Als der Gerettete es sich in seinem Sessel bequem gemacht hatte, beschleunigten sie wieder und ließen den antriebslosen Jäger hinter sich zurück. Die Anzeigen in Hans Anzug zeigten normale Atmosphäre, und er wagte es, den Helm abzunehmen.

"Ich hatte nicht erwartet dich hier zu treffen Anaconda."

"Und ich hatte nicht erwartet, dass man meine Anwesenheit so schnell wieder brauchen würde, nachdem ihr mich zum Verrosten abgestellt habt."

"Wurde der Sender durch den Überdruck aktiviert?"

"Positiv, aber ich kann das beim nächsten mal unterdrücken. Wenn Sie möchten, Hans?"

"Nein, das war schon in Ordnung so. Hast du aufgezeichnet, wo ich rausgekommen bin, Anaconda?"

"Aus dem Schlachtschiff. Positiv, ist gespeichert."

"Da ist ein Hangar, wenn du den Computer überreden kannst, uns durch die Schleuse zu bringen, können wir Melissa rausholen."

"Meine Kapazitäten sind damit ausgelastet, die Radaranlage zu umgehen, Hans. Schalte einige Prozesse auf Standby. Zugriff auf Schleusenautomatik erfolgt."

Die beiden Schiffe näherten sich nur noch langsam den beiden Schlachtschiffen, Anaconda arbeitete an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

Schließlich hörte Melissa, wie die Tür aufglitt. Hatten diese Schweine immer noch nicht genug? Sie war zu erschöpft, um noch irgendeine Spur von Angst zu empfinden, sie wünschte sich nur, dass es vorbei sein sollte. Aber die Wirkung der Droge hatte nachgelassen, es war nicht leicht, aber sie konnte wieder denken.

Dann wurden ihre Fesseln gelöst, aber sie war zu müde, sie spürte es nicht einmal.

"Kommen Sie. Melissa Yukawa," sagte die heisere leise Stimme, aber Sie hörte nicht hin.

Dann wurde ihr die Augenbinde abgenommen.

"Kommen Sie."

Sie blinzelte in die dunklen Schatten der Kapuze und lächelte geistesabwesend. "Bringen Sie mich doch einfach um", flüsterte sie und fiel in Ohnmacht.

Isumúya rüttelt die junge Frau wieder wach.

"Kommen Sie."

Sie nahm all ihre Kraft zusammen und folgte dem langen Mantel. Schwindelig fühlte sie sich, die Drogen zeigten bei der jungen Frau Nachwirkungen.

Vor der Zelle lagen drei Tote. Melissa achtete nicht darauf und stolperte über die Leichen, geistesabwesend raffte sie sich wieder auf. Sie durfte jetzt nicht schlapp machen, wenn sie hier raus wollte, musste sie durchhalten, sie spürte nicht, wie sie ihre Zähne zusammenbiss, als sie wieder einen Fuß vor den anderen setzte, weiter musste sie, nicht aufgeben.

"Da rein", flüsterte Isumúya und deutete auf eine offene Tür. Hinter ihr drückte sich auch, ihr Retter in die dunkle Kammer, und Melissa wusste nicht, ob sie sich freuen sollte, dass es ihr schon so gut ging, dass es ihr wieder Angst machte, mit dieser unheimlichen Person so dicht zusammen zu stehen.

"Was?" flüsterte sie, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten.

"Zehn. Sie suchen uns." Aus der heiseren Stimme klang seine Vorsicht hervor, es war ein gutes Gefühl für Melissa, dass diese Person wenigstens etwas Menschliches zu haben schien.

Dann kamen die Schritte, ein gleichmäßiges Stampfen von militärischer Präzision, schließlich verhallten das rhythmische Geräusch wieder.

"Kommen Sie." Forderte Isumúya sie auf und trat hinaus in den Gang, sie folgte, er machte ihr inzwischen keine Angst mehr. Melissa war sich nicht sicher, ob das irgendwer würde schaffen können, nachdem, was sie durchgemacht hatte.

"Wer oder was sind Sie?" traute sie sich nach einiger Zeit zu fragen, sie hatten sich noch einmal vor einem Suchtrupp verstecken müssen. Aber in den letzten Minuten war ihnen niemand mehr begegnet. Melissa fühlte, wie ihre Kräfte wuchsen, aber noch etwas anderes, plötzlich drehte sich alles vor ihren Augen, sie schüttelte den Kopf und das Gefühl verschwand. Die Droge hatte üble Nebenwirkungen.

Aber Sie bekam keine Antwort. "Kannst du mir was zum Anziehen besorgen?" Flüsterte sie, sie zitterte. Es war nicht kalt in den Gängen aber Melissa fror trotzdem.

"Warten Sie hier!" Und er verschwand für eine Minute in einem Seitengang. Als er wieder auftauchte, hatte er die Uniformjacke eines Soldaten dabei, mit grausen stellte Melissa fest, dass blutiger Speichel an der rechten Schulter klebte, aber sie zog sich die Jacke trotzdem über, zog sie fest um ihren Körper. Aber sie zitterte noch immer. Nebenwirkungen. Melissa verschränkte die Arme vor der Brust und folgte Isumúya weiter, einen Fahrstuhl hinunter und zu einem Hangar.

Die beiden Raumschiffe, die dort gerade landeten, kamen ihr seltsam bekannt vor, aber sie litt an heftigem Schüttelfrost, und sie hatte plötzlich Probleme scharf zu sehen.

Hans war gerade rechtzeitig zur Stelle, um Sie aufzufangen, als sie das Bewusstsein verlor.

"Was haben die nur mit dir gemacht", sagte Hans leise, strich ihr die Haare aus dem Gesicht und trug die Bewusstlose in das mattblaue Raumschiff, als auch, Isumúya zugestiegen war schloss Anaconda die Luke und begann den Startvorgang einzuleiten.

"Meine Sensoren detektieren ein Wahrheitsserum in der Luft", meldete sich der Computer, als die beiden Raumschiffe die Luftschleuse passierten. "Sodium Penthotal, nach massenspektrografischer Analyse."

"Wird sie durchkommen?"

"Positiv Hans, laut meiner Datenbank führt eine Überdosis zu Schüttelfrost, Schwindel und Bewusstlosigkeit, es sind im Allgemeinen keine Folgeschäden zu erwarten. Ich möchte aber trotzdem vorschlagen, schleunigst ein Krankenhaus aufzusuchen."

Hans machte eine der Schlafkojen für Melissa fertig und setzte sich dann neben Isumúya in den Kopilotensessel. Während sie Richtung Trivar beschleunigten.

Er musste die Zähne zusammenbeißen, um den Fluchtreflex, so nahe bei dieser Person, zu unterdrücken, aber er wollte sich keine Blöße geben.

"Wir werden verfolgt, 18 Jäger sind gerade gestartet." Michael warf einen Blick hinüber zu Daphne. "Wir sollten sie ein bisschen von Anaconda ablenken, meinst du nicht?"

Der Speedster war ein sehr schnelles Schiff, und seine kräftigen Triebwerke konnten es durchaus mit denen der Verfolger aufnehmen, aber ein wenig Ablenkung konnte nicht schaden.

"Ja, Michael, halt dich fest."

Sie stoppten und drehten auf der Stelle, dann beschleunigte Daphne mitten in die Wolke der Verfolger hinein.

"Bist du nicht etwas zu zuversichtlich, was unsere Panzerung anbelangt?"

"Mach einfach die Augen zu, Michael. Und vertrau mir."

Sie tanzte förmlich vor den verwirrten Jägern und zog alsbald auch, die ersten Raketen an, aber keine Rakete kann mit einem Raumschiff mithalten, das sich nicht an die Gesetze der Trägheit halten muss. Trotzdem musste Michael zugeben, dass einiges an Geschick dazugehörte bis zu fünf Raketen gleichzeitig im Auge zu behalten. Vier mal setzte sich Daphne nur wenige Meter hinter einen der Jäger und wich erst aus, als eine Rakete dicht hinter dem Blackbird auftauchte, drei mal zerfetzte es den Jäger, der vierten Rakete ging vorher der Treibstoff aus. Die fünfzehn verbliebenen Verfolger ließen jetzt von ihrem Ziel ab und kehrten zum Mutterschiff zurück, Anaconda hatte schon einen beträchtlichen Vorsprung herausgeholt, kein Problem für den Blackbird, aber unmöglich für die einfachen Flieger der anderen, wer immer das sein mochte.

Als die beiden Raumschiffe einen halben Tag später auf dem Dach des Krankenhauses landeten, war Melissa schon wieder auf den Beinen und sträubte sich mit Händen und Füßen einen Arzt aufzusuchen, aber die Entscheidung lag diesmal nicht bei ihr.

"Es braucht dir nicht Leid zu tun Hans, du konntest doch nicht wissen, was die machen würden."

"Aber wenn ich gleich geredet hätte, wär' das nicht passiert, die Typen hätten dich in Ruhe gelassen."

Sie nahm seine Hand. "Nein, das glaube ich nicht. Mach dir bitte keine Vorwürfe deswegen." Melissa konnte sich im Moment nur wage an die Zeit in der Folterkammer erinnern. Die Drogen hatten einen Schleier des Vergessens darüber gebreitet und irgendwie hoffte Melissa, dass es so bleiben würde. Sie war sich nicht ganz sicher, ob sie Hans noch so leicht würde verzeihen können, wenn sie gewusst hätte, was man mit ihr angestellt hatte.

Dann wandte sie sich an Isumúya, der kein Wort mehr von sich gab. Wenn man so lange mit ihm zusammen war, konnte man es glatt in seiner Nähe aushalten, nur die Ärzte und Personal ließen sich nicht Blicken, wenn er im Zimmer war.

"Ich wünschte, du würdest uns erklären, was hier vor sich geht."

Die Frage war an Isumúya gerichtet, es schien, als ob er etwas vor dem Fenster beobachten würde, aber wer konnte das schon sagen, wenn man nie sein Gesicht sah. Dann verließ er das Krankenzimmer und ließ die vier verdutzt dreinschauenden Freunde ratlos zurück.

"Versteht ihr diesen Kerl?" Brach Daphne als Erste die Stille. "Erst rettet er euch das Leben und verschwindet der Kerl einfach." Sie schob ihre Räder an und rollte hinter Isumúya auf den Flur, aber es war keine Spur mehr von ihm zu sehen.

Michael stellte sich neben das behinderte Mädchen. "War's das? Keine Spur mehr von deinem Vater, Ende! So viele Fragen und niemand zu sehen, der die Antworten kennt?"

Daphne warf ihm einen komischen Blick zu, was sollte das denn bedeuten?

"Sie müssen Daphne DeRochelle sein, ich habe eine Nachricht von ihrem Vater."

Das Mädchen drehte sich um und blickte in die blauen Augen der jungen Ärztin. "Ja ich bin Daphne."

"Dann soll ich Ihnen diese Karte geben." Sie drückt Daphne eine Speicherkarte in die Hand.

"Schon wieder eine Nachricht. Das wird noch zur Gewohnheit," bemerkte Michael beiläufig.

Sie schob die Karte in ihr Lesegerät und warf einen Blick darauf.

"Was gibt's denn?" Erkundigte sich Melissa, die sich jetzt mit Hans zu den beiden auf den Flur begeben hatte.

"Jason lebt, er schreibt, dass er nicht damit gerechnet hatte, dass es für uns so gefährlich werden könnte, es tut ihm Leid und ich soll sofort zurück nach Hause."

Michael schaute ihr in die Augen. "Und was wirst du machen?"

"Was denkst du, was ich machen werde. Ich werde natürlich weiter suchen, du glaubst doch nicht, dass ich mich so leicht abwimmeln lasse, oder?"

"Wenn ich ehrlich sein soll. Nein, das hätte ich nicht erwartet."

Daphne wandte sich an ihre drei neuen Freunde: "Ich weiß ihr habt viel durchgemacht, aber ich würde mich freuen, wenn ihr mir weiter helft, meinen Vater aufzuspüren."

Melissa nickte und legte ihre Hand auf  Daphnes Schulter. "Ich bleibe dabei, du kannst dich auf mich verlassen. Außerdem will ich diesem Arschloch kräftig in die Eier treten!"

Auch Hans nickte zustimmend, natürlich würde er helfen.

"Schau mich nicht so an, du weißt, dass ich dich nicht allein lassen werde," verkündete auch Michael seine Zustimmung. "Aber wo können wir jetzt Suchen, ich hab' das Gefühl, es gibt keine Hinweise mehr, den wir folgen könnten."

"Doch, es gibt noch eine Spur, der wir folgen können."

"Und welche ist das, Hans?"

"Situkubwa, Michael. Dort wo die Blackbirds angeliefert werden, wenn wir herausfinden, was da vor sich geht, dann werden wir auch, Daphnes Vater finden. Ich bin sicher, dass nach allen was wir erlebt haben diese Dinge eng zusammenhängen. Wir müssen zurück nach Situkubwa."

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