3.Kapitel: Spuren

Der Weltraum

Ein paar Tage mussten sie sich allerdings gedulden, auch, wenn in Mjidogo häufig Touristen landeten, so war es doch nicht so einfach dort wegzukommen. Zwei Tage vergingen, bis ein Scramjet drei Plätze für die Ausreisewilligen frei hatte. Michael starrte aus dem Bullauge auf die Landeplattform herab und beobachtete seinen Nachfolger beim Einchecken der ankommenden Container, bis er ihn durch den Regen nicht mehr ausmachen konnte. Dies war sein erster Flug, der über die Atmosphäre hinausgehen würde.

Nach fünf Minuten durchbrachen sie die ewige Wolkendecke. Michael riss staunend die Augen auf, zum ersten mal in seinem Leben sah er den strahlend blauen Himmel, von dem eine echte Sonne auf sie herniederfunkelte. Er blinzelte und genoss die warmen Strahlen auf seinem Gesicht.

"Fantastisch nicht wahr!" Flüsterte Melissa Michael ins Ohr, lehnte sich an seine Schulter und genoss die wärmenden Strahlen. Und Michael ihre Nähe.

Dann wurden die Düsenturbinen plötzlich leiser. Für kurze Zeit ließ der Druck in der Magengegend nach, während die Raketentriebwerke ihre volle Leistung aufbauten. Für einen Augenblick herrschte Schwerelosigkeit. Von nun an würden sie bis zur Raumstation mit 1,5 g beschleunigen, liegend beobachteten sie wie sich der blaue Himmel auflöste und die Sicht auf die Sterne freigab.

Aus dem Heck kam die Stewardess auf einer Plattform stehend, die nahezu parallel zur Beschleunigung stehende Kabine, hinaufgefahren und verteilte Getränke und Kekse.

Melissa deutete auf einen hellen Fleck am Firmament, die Sonne hatten sie jetzt schon fast in Rücken. "Das müssen die Sonnenkollektoren der Station sein. Die müssen riesig sein, wenn man sie schon von hier aus sehen kann."

"Jeder der beiden Panels nimmt eine Fläche von zweitausend Quadratmetern ein. Bei einer aktuellen Solarkonstante von 1400 W/m² und einem Wirkungsgrad von 60 % erzeugen die Panels eine Leistung von 3,36 Megawatt", half die Stewardess freundlich aus, als ihr Schlitten wieder abwärts glitt, sie machte eine Pause.

"Über 70% davon schickt man runter nach Situkubwa. Kann ich Ihnen noch etwas zu trinken bringen?" Es wurde dankend abgelehnt, und die Stewardess betätigte mit einem Fuß einen Knopf im Boden der Plattform und setzte ihren Weg nach unten fort. Sie hatte kräftige Beine, wie Hans feststellte und betrachtete seine eigenen Stelzen, die aus seiner kurzen Hose heraus staken.

Mit der Zeit rückte die Station langsam näher, der Scramjet wurde jetzt wieder Senkrecht zur Beschleunigung gedreht, das Triebwerk war scheinbar leiser geworden und der Flug ruhiger, sie hatten die Atmosphäre verlassen.

Hier brauchte der Pilot sich nicht mehr, um die Aerodynamik zu kümmern, und die Passagiere konnten sich, sofern sie es schafften, bei 1,5 g aufzustehen ein wenig die Beine vertreten. Einige nutzten die Gelegenheit, schleunigst die Toilette aufzusuchen.

Drei Stunden verstrichen, schließlich verringerte sich die Beschleunigung auf 1 g, der Pilot hatte sie fast unmerklich, die Beschleunigung stets in Bodenrichtung wirken lassend auf eine Kreisbahn um die torusförmige Station gebracht. Wie ein riesen Donut, dachte Hans. Sie bewegten sich mit derselben Radialgeschwindigkeit und kamen der Andockschleuse allmählich näher. Ein metallisches Rummsen und mechanisches Einrasten, sie hatten angelegt.

Ein Flug direkt nach Potea gab es nicht im Reisebüro, und die indirekten waren allesamt zu teuer, sie mussten sich was Neues ausdenken. Aber wie sich herausstellte, würde ein Frachter am nächsten Tag direkt von hier nach Potea fliegen, und der Kapitän bot noch vier freie Plätze an. Genau das Richtige, für die drei Abenteurer.

Sie ließen sich für die Plätze registrieren, und im Anschluss daran ließen sie sich noch eine Liste mit günstigen Hotels und guten Restaurants geben.

Sie schauten sich noch um, wo sie sich am nächsten Tag würden einfinden müssen und machten sich auf den Weg zum Hotel, welches sich näher beim Zentrum der Station befand, wo die künstliche Schwerkraft wegen der verringerten Zentrifugalkraft nicht ganz so stark war.

Es ist keine leichte Angelegenheit die unvorstellbaren Weiten einer Galaxis zu überwinden. Generationen von Physikern hatten sich im 21. und Anfang des 22. Jahrhunderts die Köpfe darüber zerbrochen, bis eine vereinigte Feldtheorie den Weg für die Vereinigung von Quanten- und Relativitätstheorie ebnete. Viele Erfolg versprechende Konzepte mussten verworfen werden, wie zum Beispiel die Stauchung und Dehnung des Raumes, sicher, in der Theorie hörte sich das ganz toll an, aber tatsächlich wurden dafür Energien benötigt, mit der man rote Riesensonnen in Teelöffel pressen ließen, das war nicht praktikabel.

Auch Wurmlöcher probierte man aus, theoretisch natürlich, nicht in der Praxis. Aber ganz abgesehen davon, dass man Gefahr lief, in der Vergangenheit zu landen, und die Natur verabscheute solche Dreistigkeit, neigten diese Passagen zwischen Raum und Zeit dazu in sich zusammenzufallen. Man brauchte Massen von roten Riesen in Teelöffelgröße, um sie offen zu halten.

Die Lösung war einfacher als man erwartet hatte, im Jahre 2121 machte man die Entdeckung des Versatzantriebes. Dieser Antrieb dessen theoretische Grundlagen noch nicht in allen Einzelheiten geklärt waren ermöglichte es endlich die unvorstellbaren Distanzen zwischen den Sternen zu überbrücken. Zur großen Überraschung gelang die Erzeugung der Versetzungswelle ohne den Einsatz der gigantischen Energiemengen, die bei anderen Technologien erforderlich wären. Ohne den Energiezustand des Universums über die natürliche Unschärfe hinaus zu strapazieren, tauschte die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitende Welle einen Teil des Universums mit einem anderen aus, der einige Lichtstunden in Fahrtrichtung lag. Man sollte annehmen, dass die Materie dabei zu einem dampfenden Haufen Asche verkohlt werden würde, sobald die Moleküle zerrissen wurden, dass dies nicht geschah, deutete auf eine Inversion, quasi eine Umkrempelung, der beiden Raumgebiete an, aber erforscht war das noch nicht.

Als man sich dann mit dieser genialen neuen Technologie aufmachte die Galaxis zu erkunden musste man feststellen, dass sie ein alter Hut war und viele Völker ähnliche Techniken schon besaßen. Ein Quantensprung für die Menschheit, ein kleiner Schritt für das Universum. Nichtsdestotrotz eine großartige Errungenschaft.

"Ihr müsst euch die Zusammengewickelten 26 Dimensionen der Raumzeit so vorstellen, wie einen Donut." Versuchte sich Hans an einer Erklärung, als sich die drei Reisenden im Restaurant des Hotels zum Abendessen einfanden.

"Wenn man ihn nun um seine vertikale Achse dreht und dazu noch, dass Innere nach außen, so kann man theoretisch jeden Punkt des Universums ohne Zeitverlust erreichen. Das hat irgendwas mit den ersten Sekunden des Weltalls zu tun! Quanteneffekte, oder so was." Sein Donut hatte inzwischen jede Ähnlichkeit mit dem bekannten Gebäck verloren.

"Aber warum kommen wir dann nicht über den Rand der Milchstraße hinaus." Nutzte Michael die Pause, in der Hans mit einem Schluck Kaffee den trockenen Teig hinunter spülte.

"Jeder Versatz bringt dich höchstens ein paar Lichtstunden weiter, manchmal weniger, und es dauert einige Nanosekunden, bis der nächste initialisiert werden kann, in Zukunft wird man das schneller machen können, aber momentan sind wir auf etwa 125 Lichtjahre in der Minute beschränkt." Es war ja nicht so, dass Hans nicht reden konnte, aber er brauchte etwas Zeit, um sich an seine Mitmenschen zu gewöhnen, dann vergaß er schnell, dass er eigentlich zu den wortkargen Menschen gehörte. "Das ist viel zu wenig, um intergalaktische Distanzen zu überbrücken."

"Und was passiert bei einem Versatz genau?" Beteiligte sich jetzt Melissa, die bis dahin aufmerksam zugehört hatte. Es war schön die tiefe Stimme von Hans zuhören, manchmal wünschte sie, er wäre nicht immer so sparsam mit ihrem Gebrauch.

Hans strich er die Zuckergusskrümel auf seinem Teller zusammen und ließ sie sich in den Mund rieseln, dann zuckte er mit den Schultern.

"Komm schon, erzähl's uns." Drängelten die beiden.

"Tut mir Leid Kinder, keine Ahnung."

Die Zimmer waren einfach und hell, durch kleine Bullaugen, konnte man abwechselnd den Sternenhimmel, oder den Planeten sehen, während sich die Station drehte.

Hier oben gab es keine Nacht, die Sonnenkollektoren mussten rund um die Uhr auf der hellen Seite des Planeten bleiben und so flutete durch die Fenster der Station stets Licht ins Innere. Die Geschäfte hatten ohnehin rund um die Uhr offen, und die Lokale servierten zu jeder Zeit Frühstück oder Mittag, wie es den Gästen gefiel.

Für Melissas innere Uhr war es eindeutig zu früh, als der Wecker ihr einen angenehmen Tag wünschte, sechs Uhr morgens. Sie spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht und gähnte, der Pilot würde wohl nicht warten, wenn sie sich jetzt noch mal eine halbe Stunde hinlegte. Sie zog ihre mechanische Taschenuhr auf und fragte sich, auf welche Zeit sie das alte Ding stellen sollte, Potea, oder Situkubwa, sie entschloss sich dann die Antiquität gar nicht zu stellen, da sie sowieso gerade irgendeine Zwischenzeit angab.

Eine Latzhose würde es heute tun müssen, das war bequem und schnell anzuziehen. Dazu ihre Stiefel, ein weißes T-Shirt und eines der Seidentücher, das musste heute reichen.

Michael fiel fast aus dem Bett, als der Wecker ihn nach einigen vergeblichen Versuchen mit lauter misstöniger Musik aus einem Traum schreckte.

Hans war schon länger wach und wartete im Foyer, als sie die Treppe hinunterkamen.

"Ein bisschen flotter, wenn ich bitten darf, wir wollen den Kapitän doch nicht warten lassen."

Neben ihm stand ein zotteliges Wesen auf zwei Beinen und verknotete die filigranen Finger seiner vier Arme ineinander. Es war ein Nywel. Eine der Rassen, die sich bereits einige Generationen länger in den Tiefen des Weltraums herumtrieben als die Menschen, und sie hatten ein angeborenes Talent für die Weltraumnavigation, so sagte man. Die Nywel waren nicht in verschiedene Geschlechter differenziert, es waren Hermaphroditen, nicht männlich und nicht weiblich, weder noch beschrieb es am besten. Eine Sache gab es noch die man niemals vergessen sollte, diese Nywel waren Raubtiere, was allerdings in Anbetracht Kanasters nur schwer zu glauben war, dieses Nywel war ausgesprochen freundlich und zuvorkommend.

"Darf ich Vorstellen, Kanaster, das sind Melissa und Michael und dies ist Kanaster, unser Kapitän."

Gemeinsam schlenderten sie zum Liegeplatz, während Kanaster ihnen vom Weltraum erzählte, mit einer hohen aber angenehmen Stimme plapperte es vor sich hin. Kanaster hatte sich zwischen Hans und Melissa eingehakt, aber sein weiches Fell irritierte die Haut, sodass Melissa sich entschuldigend zurückzog, ihr Arm war schon ganz rot geworden. "Nein, nein. Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen, es war mein Fehler, ich hätte daran denken sollen, dass manche Menschen allergisch auf mein Fell reagieren. Es tut mir wirklich leid." Er sprach fast ohne Akzent.

"Schon gut, es ist meine Schuld, ich hätte euch beide warnen sollen", mischte sich Hans ein, der einen langärmeligen Pullover trug. Kanaster hatte sich entschlossen seine Gäste beim Hotel abzuholen, nachdem ihm von der Flugleitzentrale kurzfristig ein anderer Liegeplatz zugewiesen worden war. Melissa rieb sich den juckenden Arm und lächelte.

"Sind Sie den vierten Platz noch los geworden?" erkundigte sich Michael beiläufig, als sie den Fahrstuhl zum Dock erreichten.

"Ja, das bin ich in der Tat. Ein anderer Mensch nahm den Platz, kurz nach Ihnen." Obwohl das Nywel akzentfrei Deutsch sprach, so war es für ihn doch etwas ungewohnt zwischen männlich und weiblich zu unterscheiden.

Die Docks befanden sich ober- und unterhalb der Raumstation, zwischen dieser und den Solaranlagen, sie bestanden aus relativ zum Schwerefeld des Planeten in Ruhe, sodass die trägen Frachtschiffe, die Rotation der Raumbasis nicht mitzumachen brauchten. Was allerdings auch, bedeutete, dass dort Schwerelosigkeit herrschte.

Im Zentrum angekommen schwebten sie an der Halteleine entlang zum Dock 5, es gab sechs Liegeplätze an der Station, drei oberhalb und drei darunter. Es war seltsam zu sehen, wie sich die Wände zu drehen schienen als sie in den Andockbereich schwebten, das lag daran, weil die Schleusen relativ zum Rest der Raumstation still standen. So war das Andocken für die schweren Frachter erheblich leichter.

Durch die Schleuse gleitend betraten sie das Frachtraumschiff, es erreichte mit seinen 700 m bis zu einem Drittel des Radius der Raumstation. Vorne war ein eiförmiges Gebilde, dahinter folgte ein Gerüst aus Trägereinheiten für eine Unmenge von Containerklustern und am Ende ein Ionenantrieb, der wenigstens doppelt so groß war, wie das Ei vorne, welches die Quartiere, die Brücke und die Messe beherbergte. Irgendwo im Zentrum, zwischen den Klustern befand sich der Versatzgenerator, sodass sie die Entfernung von Lichtjahren in nur Minuten würden überbrücken können.

"Wir werden mit 3 g beschleunigen. Ich möchte Sie deshalb bitten in ihren Betten zu bleiben! Versuchen Sie bitte nicht aufzustehen, bis wir auf 1 g runtergegangen sind."

Damit verabschiedete sich der Kapitän und ließ seine Gäste im Schlafsaal mit den Etagenkojen zurück. Ein den Augen schmeichelndes Licht tauchte das helle Zimmer in eine beruhigende Atmosphäre. Zweifellos wurden in diesen Räumen häufiger Passagiere mitgenommen, sonst wären sie nicht so auf menschliche Bedürfnisse ausgerichtet.

Michael schaute aus dem Bullauge am Fußende seines Bettes, als er versuchte sich in der Schwerelosigkeit anzuschnallen, die Betten waren sehr weich und schmiegten sich wie Gelatine an die Körper der Benutzer.

Die breiten Gurte zogen sich automatisch straff, als die Verschlüsse zusammenschnappten und fixierten Oberkörper und Beine. Mit starken Magnetfeldern wäre es kein Problem gewesen, die auftretenden Beschleunigungskräfte zu kompensieren. Die korrekte Ausrichtung des Feldes würde dann stets für normale und zum Boden gerichtete Schwerkraftverhältnisse sorgen. Aber solcher Schnickschnack war auf einem Frachtschiff natürlich nicht zu finden, einige Passagierliner nutzten diese Technik, aber das war teuer und Energie zehrend, um nicht zu sagen eine Verschwendung.

Außer ihrer kleinen Gruppe, war nur eine Person anwesend, die Vorhänge zu ihrer Koje waren zugezogen und möglicherweise versuchte sie etwas Schlaf der kurzen Nacht nachzuholen, sie würde wohl schnell aufwachen, wenn die Sirenen den Start ankündigten.

Ein metallisches Geräusch hallte durch die Gänge als sich die Furaha vom Dock löste, die Manövrierjets kämpften mit der trägen Masse des voll beladenen Frachtschiffes und brachten es unaufhaltsam in Position für die Zündung des Ionenantriebs. Um während der Beschleunigung und der ebenso langen Abbremsphase mit einem Minimum an Treibstoff auszukommen, wurden die Wasserstoffkerne in den fünf hintereinander geschalteten Schritten eines Linearbeschleunigers beinahe bis auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Sie lieferten dem Frachtschiff damit mit dem nötigen Rückstoß, sich aus den Fesseln der planetaren Anziehungskraft zu befreien.

Als die Sirenen schrillten, blieben jedem noch stehenden Besatzungsmitglied 20 Sekunden, einen sicheren Platz zu finden. Dann zündeten die Triebwerke und mit Gewalt wurden die Gäste in ihre Kojen gedrückt. Die weit entfernten Düsen waren hier kaum zu hören, aber man spürte deutlich, wie das Schiff unter der Belastung erzitterte. Eine Stunde würde diese Phase dauern, bevor man auf 1 g ging und versuchte die Masse des Planeten weit genug hinter sich zu bringen, um den Versatzantrieb aktivieren zu können.

Eine lange Stunde tröpfelte dahin, während den Passagieren der Brustkorb schmerzte und das Atmen schwer viel. Ein Mensch konnte derartige Belastungen aushalten, nur die Dauer, die war es die Probleme bereitete. Plötzlich wurde das Atmen angenehmer, die Gurte lösten ihren stählernen Griff und zogen sich in die Seiten der Betten zurück. "Ich dachte mein letztes Stündlein hätte geschlagen", nuschelte Hans, als er sich aus seiner Kuhle bemühte, welche sich schnell wieder in ein glattes Bett verwandelte.

"Ich sollte mich eigentlich inzwischen daran gewöhnt haben", meldete sich eine neue Stimme zu Wort, und der Vorhang wurde beiseite gezogen. Es war eine junge Frau, nicht älter als 18, sie hatte kräftige Arme, trug ein körperbetontes schwarzes T-Shirt und einen rotschwarz karierten Rock, der ihr bis über die Knie reichte. Im Rücken war dieser Rock etwas höher geschnitten, damit bei vielem Sitzen nicht der Rücken frei lag. Gehalten wurde ihr Rock von dunklen ledernen Hosenträgern, die auf neckische Weise ihre Brüste betonten.

"Hallo zusammen." Sie lächelte in die Runde und richtete sich auf, wobei sie ihre Beine umständlich aus der Koje hob. Ihre braunen Augen blitzten wach aus dem runden Gesicht, ihr rechter Mundwinkel schien etwas höher zu liegen, nur eine Idee, es fiel eigentlich gar nicht auf, als der linke, es gab ihrem Gesicht eine interessante Note. Lockige blonde Haare drehten sich um ihre Schultern.

Hans übernahm wieder die Vorstellung und beobachtete mit Interesse, was das Mädchen da machte.

"Und mit wem haben wir die Ehre?" erkundigte er sich höflich, alle seine guten Manieren zusammenkratzend.

"Ihr dürft mich Daphne nennen", lachte das Mädchen, amüsiert von der antiquierten Ausdrucksweise, dann fügte sie hinzu: "Sie könnten mir zur Hand gehen. Herr Christ?" Sie deutete auf ein paar Stahlrohre und Räder unter ihrer Koje.

Hans zog die Sachen hervor.

"Ein Rollstuhl?"

"Ja, würden Sie ihn bitte aufklappen." Unter Daphnes Anleitung entfalteten Hans grobe Hände einen sportlichen, roten Rollstuhl, zum Schluss steckte er die Räder auf die Achsen, wo diese mit einem satten Klacken einrasteten. Die Räder waren dabei durchaus bemerkenswert, denn sie waren mit Nabenschaltungen versehen, das machte sie zwar etwas schwerer, erlaubte aber fünf Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang, sowie eine Bremse, die aktiviert wurde, wenn man die Reling zurückzog. Anders als bei Rollstühlen, in denen man einfach den Reifen anschob, bot dieses System eine wesentlich bessere Ausnutzung der eingesetzten Kraft, auch, wenn es zunächst etwas gewöhnungsbedürftig war.

"Schieben Sie ihn doch bitte ans Bett."

Mel war etwas überrascht, es gab nicht mehr viele Krankheiten, mit denen die Mediziner nicht fertig wurden, wenngleich auch, immer wieder neue Herausforderungen auftauchten.

"Sicher. Und sag‘ du zu mir", meinte Hans knapp.

Mit ihrem gelenkigen Oberkörper wuchtete das Mädchen ihre gelähmten Beine in den Rollstuhl und lächelte in die Runde. "Danke Hans."

etwas verlegen standen die Drei um das Mädchen herum und waren sich im Moment gar nicht so sicher, was sie sagen sollten.

"Wollen wir uns nicht das Schiff ansehen?" schlug Daphne vor, ohne zuzulassen, das eine längere, für beide Seiten peinliche Pause entstehen konnte. "Das ist meiner erste Reise mit einem Frachter, mit Passagierlinern bin ich schon geflogen, das hier ist viel aufregender." Sie rollte zur Tür, welche auf die Bewegung reagierend beiseite glitt. Die anderen folgten dicht auf.

"Fliegst du viel?" erkundigte sich Michael neugierig.

"Normalerweise nicht, aber ich bin auf der Suche nach meinem Vater, er hat mir geschrieben, ich solle mir keine Sorgen machen und bleiben, wo ich bin. Nach einem Jahr ohne auch, nur eine Karte zum Geburtstag, ist das, finde ich, Grund genug mal nach dem rechten zu sehen."

"Und, hast du ihn gefunden."

"Noch nicht, er gilt als vermisst, ihr solltet das aber besser wissen, mein Vater ist Jason DeRochelle und ich glaube ich schulde euch eine Erklärung." Sie folgten den Schildern, in Richtung Messe.

"Das glaube ich auch," mischte sich Hans ein, in den leeren Gängen erzeugte seine Stimme ein dumpfes Nachhallen.

"Also, gut. Ich erreichte vor etwa vier Tagen das Jua-System und musste zu meiner großen Überraschung feststellen, dass mein Vater vermisst wird. Ich sprach natürlich zuerst mit der Polizei, aber die konnten oder wollten mir nicht weiterhelfen. Dann erfuhr ich, dass sein Transportvehikel verlassen im Wald gefunden wurde. Also dachte ich mir, rede ich doch einfach mit den Leuten, die den Laster gefunden haben. Ihr glaubt ja nicht, wie viele Datenbanken ich durchwühlen musste, um herauszufinden, dass ihr erst entlassen und dann wieder mit neuen Jobs bei TMC angefangen habt. Würdest du mich bitte schieben." Sie schüttelte ihre Arme aus, "ich bin etwas aus der Übung." Und lächelte Michael an, sodass dieser nicht ablehnen konnte, Melissa warf einen vielsagenden Blick zu Hans hinüber.

"Wo war ich stehen geblieben? Ach ja. Ich merkte, dass ihr verschiedene Nachforschungen angestellt habt. Ihr solltet eure Spuren im Netz wirklich etwas besser verstecken. Ich setzte einen Tracer ins System und wartete ein paar Tage."

"Entschuldige, was ist ein Tracer?" erkundigte sich Mel, die jetzt neben dem Rollstuhl ging. Sie betraten die Offiziersmesse und ließen sich an einem Tisch am Fenster nieder. Der Planet war noch immer ein watteweißer Begleiter am schwarzen Himmel, das lag an den Wolken.

"Das ist ein kleines Programm, das Datenspuren verfolgt. Ich war überrascht, als es mir sagte, dass ihr euch für diesen Flug eingebucht habt. Also nahm ich den letzten freien Platz und schrieb einen Brief an meine Mutter, dass es etwas länger dauern würde. Den Rest der Geschichte kennt ihr."

Damit beendete das junge Mädchen erst mal ihren Redeschwall und schickte Michael, um ein Mineralwasser für sie zu holen, Melissa und Hans nutzten die Gelegenheit und gaben ihre Bestellungen ebenfalls an ihn weiter.

Als Michael mit vier Bechern schwer beladen zurückkam, hatten Hans und Melissa gerade begonnen, Daphne auf den Stand der Dinge zu bringen. Er schien ihr wohl zu vertrauen. Daphne zog einen Flunsch. "Dann wisst ihr auch, nicht mehr als ich?"

"Nein, tut mir leid. Wir stehen vor einem ebenso großen Rätsel, wie du", musste Mel zugeben und blickte in ihren Kaffee. "Aber wir werden deinen Vater, meinen Freund, finden, verlass dich drauf!" ließ Hans nach einer kurzen Pause energisch vernehmen.

"Ich werde euch begleiten." Es klang nicht so, als ob sie Widerspruch zulassen würde.

"Wie willst du das denn machen?" fragte Michael skeptisch, ohne nachzudenken, ein Fehler.

"Wieso? Weil ich nicht gehen kann? Denkst du, ich würde euch aufhalten? Oh nein. Behindert ist man nicht, das wird man! Vorzugsweise von Arschlöchern wie dir."  Sie schäumte, wenn man das so sagen konnte, vor Wut und Empörung.

"Nein, ich meinte nur ..." verteidigte sich Michael rasch und unbeholfen, das war zwar genau, was er gedacht hatte, aber ihm war bei Daphnes Ausbruch bald bewusst geworden, dass er grundfalsch lag, dieses junge Mädchen würde niemals irgendjemand aufhalten. Irgendwie bewunderte Michael das Mädchen, dass ihn jetzt am liebsten umgebracht hätte.

Ein Besatzungsmitglied betrat in diesem Augenblick die Messe und unterbrach die Streitenden, bevor Daphne Michael an die Kehle gehen konnte. Es war ebenfalls ein Nywel, wie der Kapitän und stellte sich als Baccarat vor.

"Der Frachter ist jetzt sicher auf seinem Weg. Wenn Sie belieben, werde ich Sie mit dem Schiff vertraut machen!"

Daphne schmollte, sie hatte eigentlich keine Lust auch, nur noch eine Sekunde länger mit diesem Idioten Michael zusammen zu bleiben.

Auf dem Weg zur Brücke erklärte Baccarat, den Gästen, die Funktionsweise des Raumschiffes, so einen Unfug wie künstliche Gravitation gab es nicht, um während des Fluges nicht durch die Gegend zu treiben beschleunigte man einfach konstant mit 1 g.

Ein Fahrstuhl verband die einzelnen Etagen des Schiffes miteinander, die letzten beiden Knöpfe mit der Aufschrift Maschinenraum leuchteten rot,  aber wer wollte auch, schon ins Heck zu den dröhnenden Triebwerken. Von unten nach oben waren Kontrollraum, Mannschaftsquartiere, Aufenthaltsräume und Brücke aufgeführt, allerdings war der Fahrstuhl nicht groß genug für fünf Personen und einen Rollstuhl und so blieben Michael und Daphne erst einmal zurück.

"Hör mal, es tut mir leid. Ich hätte nachdenken sollen, bevor ich was sagte", versuchte sich Michael unbeholfen zu entschuldigen.

"Das sollten wir alle, nicht wahr?" Sie schien keineswegs weniger wütend.

"Ich möchte mich wirklich entschuldigen Daphne. Ich hätte das nicht sagen sollen."

Aber das Mädchen würdigte ihn keines Blickes, sie war sauer, wie konnte dieser Idiot sich so benehmen.

Aber was sie am meisten an ihm hasste, war, dass er Recht hatte, sie war behindert, ein Krüppel. Aber das war ihre Sache, niemand hatte sich da einzumischen.

In diesem Augenblick öffnete sich die Fahrstuhltür.

"Folgen Sie mir bitte." Baccarat imitierte ein Grinsen, es erinnerte an ein Zähnefletschen, aber die gute Absicht war erkennbar, und trat in den Fahrstuhl zurück.

Sie betraten die Brücke, wie eine Aussichtsplattform war sie vollständig mit Glas überdacht und wären die Stahlstreben nicht, man hätte meinen können, man würde mitten im Weltraum stehen. Eine große Anzahl von Einschlägen und Kratzern in dem Glasdach zeigte, dass dies nicht die allergünstigste Konstruktion war, aber der Ausblick war überwältigend.

"Schauen Sie sich ruhig um", erlaubte der Kapitän großzügig, der, über seine Instrumente gebeugt, dem Sternenhimmel im Moment keines Blickes würdigte. Baccarat stellte den Reisegästen den Navigator und Funker vor, und Daphne wurde das Gefühl nicht los, dass sich diese Nywel alle nach Kartenspielen genannt hatten, aber es kam ihr einfach zu komisch vor, als dass sie sich traute danach zu fragen.

Michael starte gebannt auf die Sterne, aber es war keine Veränderung zu bemerken, dieselben Sternbilder, wie sie auch, schon von der Raumstation aus zu sehen waren.

"Wann werden wir Springen?" erkundigte er sich.

"Erst in zwei Tagen!" Und Baccarat machte ihn freundlich darauf aufmerksam, was passierte, wenn man den Versatzgenerator in der Nähe einer großen Masse anwarf, man hatte das mit ferngesteuerten Sonden und toten Planeten ausprobiert. Dann vertauschte die Materie des Raumschiffes mit der des Planeten und es blieb nichts, das auch nur entfernt an das ursprüngliche Raumschiff erinnerte.

Den Generator konnte Baccarat ihnen leider nicht zeigen, zu gefährlich, wie er meinte, aber dafür durften sich die Vier eine Computeranimation ansehen, wie das Raumschiff beim Versatz schlicht verschwand, als hätte man den Film einfach geschnitten und ohne Raumschiff weitergedreht, nicht gerade besonders interessant. Das wurde es allerdings, als Baccarat ihnen zeigte, wie sich die Zersetzungswelle durch das Schiff ausbreiteten sollte. Nur mit Lichtgeschwindigkeit natürlich, aber es war trotzdem noch nicht gelungen sie zu registrieren, wahrscheinlich deshalb, weil diese Welle nicht wirklich etwas änderte. Das durfte sie auch, nicht, es würde der Energieerhaltung im Universum widersprechen.

Es war gegen Abend des selben Tages, als Michael sich noch mal um Verzeihung bemühte.

"Bitte Daphne, so habe ich das nicht gemeint."

"Nein? Wie hast du das denn dann gemeint?"

"Ich weiß nicht." Er holte tief Luft. "Nach dem, was wir auf Situkubwa gesehen haben, ist dein Vater in Schwierigkeiten. Es könnte gefährlich werden."

"Deine Entschuldigungen sind ziemlich schwach." Sie schaute aus dem Fenster der Messe, die fernen Sterne leuchteten in fremden Sternbildern.

"Und für dich nicht? Sag mir nicht, weil du ein Mann bist, das wär' ja noch schlimmer."

"Nein, Daphne, das sag ich nicht. Ich mache mir Sorgen um dich."

Das Mädchen wandte ihre braunen Augen wieder Michael zu. "Ich brauche niemanden, der sich um mich sorgt!" Fuhr sie ihn unwirsch an, sie hätte gar nicht erst versuchen sollen, ihm eine zweite Chance zu geben.

"Komm schon, das ist ein Gefühl. Ich mag dich." Es fiel ihm nicht leicht das zu sagen, aber er fühlte, dass es die Wahrheit war. "Ich will nicht, das dir etwas passiert." Er musste sich da irgendwie rausreden, er wollte nicht von diesem Mädchen gehasst werden.

"Versprich mir, dass du nie wieder redest, ohne vorher nachzudenken." Sagte Daphne hart, sie wollte ihm gerne eine Chance geben, denn irgendwie mochte sie diesen Kerl, auch, wenn er für ihren Geschmack etwas mehr Verstand haben dürfte.

"Natürlich, du hast mein Wort darauf!" versprach er ihr, erleichtert.

Die nächsten zwei Tage, waren nicht besonders spannend, es gab auf einem Frachter weit weniger Abwechslung, als auf einem Passagierschiff, aber, so hatte man ihnen versprochen, sie würden auf der Brücke zusehen dürfen, wie sie versetzten und diesem Augenblick fieberten die Reisegäste förmlich entgegen.

"Wie ist das passiert?" wollte Hans dann wissen, als er es nicht mehr länger aushielt, dass ein so offensichtliches Thema beinahe zwanghaft umgangen wurde, Daphne nahm ihm das auch, nicht übel, sie hatte das ja schon irgendwie erwartet.

"Hast du schon mal was von Amyotropher Lateralsklerose gehört?" Sie wartete die Antwort nicht ab und erzählte gleich weiter. "Das ist eine seltene Erbkrankheit, die bei mir schon im Alter von ein oder zwei Jahren eingesetzt hat. Sie führt zum Absterben der motorischen Neuronen, man erstickt dann einfach, wenn die Atmung ausfällt, oder das Gehirn angegriffen wird. Ich hatte Glück, bei mir wurde ALS frühzeitig diagnostiziert, und es gelang den Ärzten den Fortschritt der Krankheit aufzuhalten, nicht alle haben so viel Glück." Und das war ihr voller Ernst. "Aber seit meinem fünften Lebensjahr kann ich nicht mehr laufen, ich erinnere mich nicht mehr daran, und vielleicht vermisse ich es deshalb nicht." Das allerdings entsprach nicht der ganzen Wahrheit.

"Und es gibt keine Möglichkeit die Nerven wieder herzustellen?" Erkundigte sich Melissa.

"Nein Mel, wenn die Motoneuronen ihren Dienst versagen, degenerieren die Muskeln, und dann kann man nichts mehr machen. Ich hatte dabei noch Glück, ALS wurde bei mir immerhin noch so früh diagnostiziert, dass nur die Beinmuskulatur im Eimer war. Wenn die Muskeln noch in Ordnung sind, kann man sie natürlich künstlich über elektrische Signale steuern, aber ich will keine Implantate." Sie hatte das bestimmt schon hundertmal erklärt, viel machte es ihr nicht aus, aber sie wollte auch, keine endlose Unterhaltung daraus machen.

"Wieso keine Implantate?" erkundigte sich Michael verwirrt, er konnte sich nicht vorstellen, dass jemand freiwillig darauf verzichtete laufen zu können.

"Naja, man kann die Operation erst am Erwachsenen durchführen. Aber als es dann soweit war, ist mir klar geworden, dass ich das nicht will." Daphne genoss eine Sekunde die schockierten Gesichter. "Das nicht gehen können ist ein Teil von mir. Ich bin schließlich nicht krank, ich kann nur nicht gehen." Es war nicht immer leicht, das zu erklären, was ihr so völlig richtig erschien. "Ich erwarte, dass mich meine Menschen so akzeptieren, wie ich bin. Ich werde mich nicht anpassen lassen, nur damit die Leute aufhören auf meine Beine zu starren." Daphne spürte, dass sie sich langsam in Rage redet und beschloss das Thema zu wechseln.

"Sollte es nicht langsam Zeit sein, durchs Universum zu hopsen?" Sie warf Michael einen kurzen Blick zu und erkannte sofort, dass er sie für völlig übergeschnappt hielt. Der einzige Grund, warum er das nicht laut aussprach war, dass er es sich nicht völlig mit ihr verderben wollte.

Melissa kramte ihre Uhr heraus. "Keine Ahnung, ich hab' schon wieder vergessen das Ding aufzuziehen", meldete sie kurz und steckte den alten Chronometer wieder in die Tasche. Wenn man es genau nahm, ziemlich nutzlos, aber er war eine Erinnerung an die Erde und ein Erbstück ihrer Eltern.

"26.45 Uhr, Situkubwa Standardzeit", verkündete Baccarat, das in diesem Moment in der Messe erschien. Es war nicht ganz klar, ob er schon länger in der Tür gestanden hatte, es machte keine Anstalten auf das vorausgegangene Gespräch einzugehen.

"Um 26.59 geht's los und gegen 02.00 Uhr werden wir den Orionarm erreicht haben. Folgen Sie mir bitte!"

Sie erreichten die Brücke, wo auf einem Monitor in unregelmäßigen Abständen ein Countdown herunterzählte. Baccarat, deutete stolz auf den Monitor, der gerade wieder für drei Sekunden angehalten hatte und versucht das jetzt gut zu machen. "Extra für unsere Gäste. Wir kennen bei uns keine Zeiteinteilung, wie Sie. Was getan werden muss, wird in der Zeit erledigt, die eben dafür nötig ist, aber vielleicht hilft es Ihnen, sich auf den Augenblick vorzubereiten." Diese Wesen waren Melissa sogleich viel Sympathischer.

Der Countdown zählte die nächsten drei Minuten besonders schnell, was die ungeduldigen Gäste mit viel Wohlwollen und einer leichten Verunsicherung bemerkten.

Ungefähr eine Minute vorher richteten sich alle Menschenköpfe zur Decke, die Nywelbesatzung kannte das Schauspiel zu Genüge und blickte auf ihre Instrumentenkonsolen, die sie von Zeit zu Zeit mit allen vier Armen bearbeiteten.

Ein angenehmer Glockenklang deutete an, dass die Generatoren gezündet waren und ihre unglaubliche Kraft aufzubauen begannen, ein zweiter kündigte den Beginn der Entladung an.

Nichts passierte, scheinbar.

Der Countdown erreichte unbeachtet 26.59 und plötzlich verändert sich das Bild in rascher Folge, viele Sterne verschwanden, neue tauchten auf und dadurch, dass die Sterne zu Wandern anfingen, war die sanfte Kurve zu bemerken, die sie flogen. Fast eine Stunde und 5000 Lichtjahre später verkündete Faro: "Willkommen im Orionarm," der Orionarm lag ein Stück weiter außen in der Milchstraße, in diesem Arm befand sich auch, die Erde und das bekannte Sternbild, nach dem der Arm benannt war. "Hier gilt Erdstandardzeit, es ist jetzt 22.30 Uhr. Und auf Potea hat der Tag 25 Stunden." Das schien den Nywel alles sehr zu amüsieren. "Und es müsste jetzt, 3 Uhr morgens sein."

"Wir werden die Station in drei Tagen erreichen." Ergänzte Kanaster, welches lange Zeit geschwiegen hatte. Dann wechselte es einige raue und klickende Töne, deren ungewohnte Melodie dem menschlichen Ohr auf besondere Weise schmeichelte, mit Baccarat, welcher sich an die Gäste wendete. "Meine Lieben, ich hoffe, es hat Ihnen gefallen, aber jetzt müssen wir die Brücke räumen, in diesem Sektor ist es Zivilpersonen nicht gestattet, sich auf der Brücke aufzuhalten, und wir werden jeden Augenblick die lokale Zollbehörde anfunken müssen. Und noch etwas," fügte er hinzu. "Schnallen Sie sich bitte wieder an, wir werden in Kürze das Wendemanöver einleiten."

Diese Vorgehensweise war nötig, da man den Vorwärtsimpuls, den man aufbaute, während der Sprünge nicht einfach verliert. Es brauchte noch einmal dieselbe Zeit und Treibstoff, um wieder bis zum Stillstand abzubremsen.

Nicht ganz Potea war Wüste, in den Polregionen fand man durchaus auch, steppenartige Vegetation und auch, Wälder, aber kaum jemand machte sich die Mühe diese Orte aufzusuchen, es war dort zu schwer die Bodenschätze zu bergen, welche sich ohnehin hauptsächlich in der Äquatorregion angesammelt hatten.

Sie erreichten die Raumbasis von Potea etwa eine Stunde zu früh und nachdem sie sich von der Besatzung verabschiedet hatten, die nur kurz umlud, mussten die Vier erst mal in Quarantäne. Immerhin kamen sie von einem mikrobiotisch stark heimgesuchten Planeten. Und so etwas nahm man auf diesem mit überschwänglichem Leben nicht gerade gesegnetem Wüstenplaneten sehr ernst.

Die Reisenden nutzten aber die Gelegenheit, sich am Computerterminal über die Gegebenheiten des Planeten zu informieren. freies Wasser gab es so gut wie nirgends auf den Planeten, in der Nacht sanken die Temperaturen aufgrund der dünnen Atmosphäre, bis zu -10°C und während des Tages konnten sie bis zu 40°C und mehr steigen. Die größte Stadt war Potea City, mit dem einzigen Raumhafen auf der Sandkugel. Hier war auch, das Hauptindustriegebiet, ansonsten waren auf der Karte immer wieder kleinere Ansiedlungen eingetragen und viele Farmer versuchten rund um die Städte und Dörfer Kondenswasser zu gewinnen, oder gar Pflanzen anzubauen. Dieser Planet wurde aber hauptsächlich von außerhalb versorgt, nur das Vorkommen an Bodenschätzen hatte viele Pioniere in diese Gegend verschlagen, und in einigen Regionen waren große Diamantminen aus dem Boden gewachsen. Große Kristalle waren hier durchaus an der Tagesordnung.

Die Bodenschätze waren auch, der Grund dafür, dass sich hier eine Unzahl von Industriebetrieben niedergelassen hatte, die sich um die vier großen Metropolen zusammengefunden hatten. Eine dieser Wüstenstädte war Jaraya, und in ihren Randbezirken befand sich die Niederlassung der Potea Bergwerksbedarf GmbH.

"Da werden wir hinfliegen müssen," verkündete Daphne und tickte mit dem Zeigefinger auf das Glas des Bildschirms, worauf dieser den Ausschnitt der Karte weiter vergrößerte.

5.Kapitel: Gefahren der Wüste